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22.09.2017

HANDBALL | "ICH BIN SEHR OPTIMISTISCH"

"Ich bin sehr optimistisch", sagt Daniel Hauser, Sportchef des NLA-Teams von GC Amicitia, der Mannschaft, die kleinere Brötchen backen muss. Das Budget wurde nicht unerheblich reduziert, Profis können derzeit nicht verpflichtet werden. Von den Verantwortlichen wurde Kreativität gefordert, und sie haben die Vorgabe erfüllt. Es gelang, eine hoffnungsvolle Mannschaft zusammen zu stellen, die allerdings noch einige Zeit „unten durch muss“, denn die Verletzungshexe schlug gnadenlos zu. Trotzdem ist man bei GC Amicitia zuversichtlich, eine ansprechende Saison bestreiten zu können. – Wir haben den Puls von Daniel Hauser, Sportchef und Assistent des NLA Teams, gefühlt.

GC INSIDER: Die finanziellen Voraussetzungen (Budgetkürzung um 350'000 auf 600'000 Franken) lassen es nicht zu, dass GC Amicitia derzeit Profis verpflichtet. Konnte unter diesen Voraussetzungen überhaupt eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt werden?

Daniel Hauser: "Natürlich war es nicht ganz einfach, Handballer von hoher Qualität zu finden, die neben dem Handballspielen einer Teilzeitarbeit oder einem Studium nachgehen. Ich bin der Meinung, dass uns dies ganz gut gelungen ist. Zürich ist dafür ein guter Standort. Doch die Resultate in der Meisterschaft werden dann zeigen, wo wir stehen."

Nicht zuletzt aufgrund beschränkter Finanzen hat sich das Kader stark verändert: Sieben Abgänge stehen neun Zuzüge gegenüber. Quantitativ hat das Team zugelegt, auch qualitativ?

"Noch nicht. Unser Team ist sehr jung und total neu zusammengesetzt. Die Spieler müssen hart an sich arbeiten und sich weiterentwickeln. Zudem müssen sie sich auf dem Spielfeld finden. Das braucht seine Zeit. Doch das Potential ist gross und hoffentlich können wir dies im Verlaufe der Saison auch ausschöpfen."

Aus Deutschland konnten Sie zwei Spieler verpflichten, Tim Sartisson und Andreas Heyme. Was versprechen Sie sich von Ihnen?

"Diese beiden Neuzuzüge bringen Erfahrungen aus der 1. und 2. Bundesliga und aus der kanadischen Nationalmannschaft mit. Das wird helfen. Vor allem aber sind sie physisch stark und sollen unsere Deckung stabil machen und mit gesunder Härte Leader in der Abwehr sein."

Gerade diese beiden Spieler sind Beispiele dafür, dass GC Amicitia mit Zürich einen Standortvorteil ausspielen kann: Heyme setzt hier sein Masterstudium als Wirtschaftsingenieur fort und arbeitet, Sartisson hat sein International Business-Studium abgeschlossen und hofft, in Zürich bessere Möglichkeiten für eine Teilzeitstelle zu haben. Kommen Sie damit zu Profis zu günstigen Konditionen?

"Wie schon erwähnt, können wir nur Spieler finanzieren, die Halbprofis sind. Natürlich sind solche Spieler nicht gleich teuer wie Vollprofis. Das ist in unserer finanziellen Situation die einzige Möglichkeit, eine ligataugliche Mannschaft zusammen zu stellen. Arbeit zu finden für die Spieler ist leider nicht so einfach. Dies können wir nur mit Hilfe unserer Sponsoren und unserem Business-Club schaffen. Denen danke ich ganz herzlich für die Unterstützung."

Die Kader-Veränderung stellt nicht nur an die Spieler hohe Anforderungen, sondern auch an den Trainer und den Staff. Wie weit ist die Integration der Neuen, das Teambuilding schon fortgeschritten?

"Wir haben bei der Zusammenstellung des Teams nicht nur auf die handballerischen Fähigkeiten  sondern auch auf die Persönlichkeit der Spieler geachtet. Die Jungs passen gut zusammen und haben sich schnell gefunden. Mit ein paar Events in der Vorbereitung wurde das Wir-Gefühl gestärkt. Ich denke, dass sich alle Spieler sehr wohl fühlen bei GC Amicitia Zürich. Im Oktober werden drei Leistungsträger in einer Handball-WG zusammenziehen, das zeigt die gute Kameradschaft im Team. Das Zusammenfinden auf dem Spielfeld dauert etwas länger. Da müssen wir täglich daran arbeiten und noch Fortschritte machen. Leider erschweren verschiedene Verletzungen diesen Prozess."

Die Vorbereitung verlief positiv, der Start in die Meisterschaft nicht. Die ersten beiden Spiele gingen verloren, gegen St. Otmar folgte der erste Sieg (die vierte Partie, beim TV Endingen fand nach Redaktionsschluss statt). Der Grund?

"Wir sind jung und hatten mit Kriens-Luzern und Winterthur zwei Gegner der Top-4-Mannschaften. Das waren schwere Spiele. Gegen die Innerschweizer lagen wir lange vorne, konnten dann aber die Leistung nicht ganz durchziehen. Gegen Winterthur waren wir in den ersten 15 Minuten sehr naiv und wurden überrannt. Danach waren wir die erwarteten 2 Tore pro 15 Minuten schwächer als der Vize-Mester. Ohne Muggli und Schild und mit den angeschlagenen Heyme (spielte die Spiele mit doppeltem Nasenbeinbruch und krank) und Frietsch, können wir den Topteams noch kein „Bein stellen“."

Sergio Muggli, von den Kadetten Schaffhausen gekommen, hat sich in der Vorsaison einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt wohl für die gesamte Saison aus. Auch sein Backup Simon Schild ist nach einem Kreuzbandriss noch nicht einsatzfähig. Bedeutet dies, dass junge Talente vermehrt zum Zug kommen werden?

 "Ja, unser Eigengewächs Fabian Pospisil hat viel Spielzeit. Er muss sich an das Niveau in der obersten Liga noch herantasten. Wir haben aber auch reagiert und mit Amer Zildzic einen Spieler mit Erfahrung bis Ende Jahr verpflichtet. Er soll das Team vor allem im Angriff führen. Wir sind richtig froh, dass diese Verpflichtung dieses herausragenden Technikers mit grosser Spielübersicht geklappt hat."

Sind Sie dennoch optimistisch für diese Saison?

"Ja, ich bin sehr optimistisch. Wir brauchen einfach Geduld und dürfen jetzt am Anfang der Saison nicht den Kopf verlieren, wenn es noch nicht optimal läuft. Ich glaube an die Jungs und bin mir sicher, dass das Team uns noch viel Freude bereiten wird. Wir sollten einfach vor Verletzungen verschont bleiben, aber das ist bei allen anderen Teams auch so. Ich hoffe sehr, dass uns viele Zuschauer in der Saalsporthalle auf unserem Weg unterstützen werden."

DIE GC AMICITA-TRANSFERS IM ÜBERBLICK

Abgänge: Jepsen (Tirol, schon im Dezember 2016), Koloper (schon im Februar 2017), Wick, Suter (beide Wacker), Engler (Kriens-Luzern), Santoro, Müller (beide Horgen). 

Zuzüge: Sartisson (GER/Ferndorf), Heyme (GER/Ferndorf), Bakos (HUN/Yellow), Dannmeyer (GER/RTV Basel), Pocz-Nagy (HUN/Horgen), Pospisil (Horgen), Ineichen (Kriens-Luzern), Muggli (Kadetten), Amer Zildzic (zuletzt HC Springe).

Interview: Eugen Desiderato