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GC Handball | 21.12.2015

Stefan Laszlo: "Man liess mich im Regen stehen."

Stefan Laszlo ist nicht nur im Zürcher, sondern auch im Schweizer Handball ein bekannter Name, eine feste Grösse, ja ein "Brand". Er gilt als einer der Mitgestalter des modernen Handballs in der Schweiz. Den guten Ruf erarbeitete sich der 67-Jährige in all den Jahren als Junioren- und NLA-Trainer sowie als Funktionär, als Stratege im Club- und Verbands-Ausbildungswesen. Er war in verschiedenen Funktionen für den ZMC Amicitia und den GC tätig. Seit der Fusion führt er die Geschäfte von GC Amicitia. Er ist mit einer ehemaligen Handballnationalspielerin verheiratet und Vater zweier Töchter, beides Handballerinnen, wie sollte es auch anders sein.

Der Name Laszlo deutet auf ungarische Herkunft hin...

Stefan Laszlo: In der Tat, ich bin in Ungarn geboren. 1956 flüchtete meine Mutter mit mir, damals 6-jährig, in die Schweiz, nach Zürich. Hier machte ich die Matur und dislozierte nach Kanada, zu meinem Vater, wo ich der Familientradition gehorchend, Maschinenbau studierte, notabene in der 13. Generation. Nach dem Abschluss als Maschineningenieur (1974) kam ich zurück in die Schweiz...

... und haben auf dem ungeliebten Beruf gearbeitet?

Ja, und dies bis 1990, bis ich die Bestätigung hatte, dass ich nicht der geborene Konstrukteur, sondern tatsächlich ein Mann für zwischenmenschliche Belange bin. Ich kam auf Umwegen zu einer Grossbank. Mein Chef, mit seiner Abteilung für mittel- und langfristige Strategien verantwortlich, wollte als Ergänzung seines Teams keinen Banker, sondern einen Quereinsteiger. Eine Aufgabe, die schon eher auf mich zugeschnitten war. Bald einmal verstärkte sich aber der Drang, tiefer ins Trainermetier, in dem ich schon seit einigen Jahren nebenamtlich tätig war, vorzudringen. Eine Ausweitung des Trainerpensums liess sich aber nicht mit meinem Fulltime Job in der Bank vereinbaren. Also wagte ich die Veränderung.

Das war aber doch ein Risiko, einen gesicherten Bank-Job mit einem eher unsicheren Anstellung im Sport zu tauschen.

Sicher, finanziell war es "ein schlechtes Geschäft", aber ich war jung und musste noch keine Familie  ernähren. Seit meiner Zeit nach dem Studiensabschluss war ich nebenamtlicher Trainer für alle Juniorenstufen und Nachwuchsverantwortlicher. Eine Aufgabe, bei dem der Lehrer in mir durchdrückte, die mich faszinierte. Als dann die Möglichkeit bestand, als vollamtlicher Nachwuchschef bei ZMC Amicitia anzuheuern, packte ich diese Gelegenheit. Ich bereue diesen Entscheid bis zum heutigen Tag nicht.

Blenden wir zurück. Wie kamen Sie überhaupt zum Handball?

Im Gymnasium, im Turnunterricht spielten wir oft Handball und unser Turnlehrer empfahl mir, mich einem Club anzuschliessen, offenbar erkannte er ein gewisses Talent in mir. Er verwies mich zum Grasshopper Club Zürich. Dort aber beachtete man mich nicht sonderlich. Ich erinnere mich noch gut, wie ich im ersten Training auf dem Hardturmgelände bei strömendem Regen einsam und verlassen am Spielfeldrand stand, förmlich im Regen stehen gelassen. Vielleicht war ich auch zu scheu, auf mich aufmerksam zu machen. Später entdeckten mich Amicitia Scouts und ich trat beim ZMC ein. Einmal besuchte ich in der Züspa Halle einen Europacup-Match gegen Honved Budapest. Ich war fasziniert und schwor, alles dafür zu tun, um auch einmal auf diesem Niveau spielen zu können.

Sie setzten den Vorsatz um...

..jein. Bei den Junioren wurde ich als Spieler 1968 mit dem ZMC Amicitia A-Inter-Team Schweizermeister. Wegen des Auslandstudiums beendete ich aber meine Karriere als Spieler und nach der Rückkehr in die Schweiz begann ich die Trainerlaufbahn. Diese führte mich dann tatsächlich in die höchste Liga. Nachdem ich Junioren aller Stufen trainiert hatte, war ich in den Achtzigern/Neunzigern während acht Jahren Trainer der NLA-Mannschaft von ZMC Amicitia und eben so lange beim Schweizerischen Handballverband U21-Nationaltrainer, nahm mit meinem Team an der Junioren-WM 1983 in Finnland und zwei Jahre später an der WM in Italien teil. Ich betreute die Mannschaft an 230 Länderspielen. Während zwei Jahren war ich auch Trainer der Frauen-Nationalmannschaft. 

Dann sind sie wohl einer der erfolgreichsten Trainer in der Schweiz?

Das kann ich mit Fug und Recht sagen. Als Trainer gewann ich insgesamt 38 regionale und vorwiegend nationale Meistertitel auf allen Stufen des Nachwuchsbereichs U15 bis U21, sowohl bei den Junioren wie auch bei den Juniorinnen. Und bei den Aktiven wurde ich als Trainer von ZMC Amicitia zweimal Vize-Schweizermeister NLA, 1985 und 1986 . 

Auf nationaler Ebene beschränkte sich Ihr Engagement aber nicht nur auf das Traineramt...

Um nur einige Stationen zu nennen: In frühen Jahren war ich regionaler Schiedsrichter, dann Nachwuchschef im Schweizerischen Handballverband und seit der Gründung der Swiss Handball League im Jahr 2002 gehöre ich dem Vorstand als Cheftechniker, zuständig für Sekretariat, Reglemente, Terminplanung an. 2001 holte ich die U21-WM in die Schweiz. Ich gab Ausbildungskurse in Magglingen usw. Handball ist mein Leben… 

..und Trainer sind Sie, trotz ihres Jobs als Geschäftsführer von GC Amicitia auch heute noch.

Ja, ich trainiere mit Hingabe die U17-Mannschaft. Tagsüber verdiene ich den Lebensunterhalt als "Mädchen für alles" oder „Sekretariatsverantwortlicher“ und bin dabei für Koordinationsaufgaben zuständig, wie Trainerbetreuung, immerhin haben wir 28 Teams, die Material- und Mitgliederverwaltung, für die Spielstätten, für die Überwachung der Buchhaltung, für die Liquiditätssicherung, für den ständigen Kampf ums Geld, für Subventionsgesuche usw. Und ich bin quasi die Klagemauer, stehe allen Mitgliedern zur Verfügung. Und abends gehe ich meinem Hobby nach und trainiere die Jugend. Das ist ein herrlicher Ausgleich für mich. 

Das Metier Geschäftsführer, oder wie Sie sagen, Mädchen für alles kannten Sie schon von Ihrer Zeit beim Grasshopper Club.

Ja, von 1997 bis 2003 war ich Geschäftsführer beim GC und auch Team-Manager des NLA-Teams. Anschliessend leitete ich die Geschicke der GAN Foxes, der gemeinsamen Nachwuchsförderung des GC und ZMC Amicitia. Diese gute Zusammenarbeit der beiden Clubs führte 2010 dann zur Fusion der Clubs und ich führe seither die Geschäfte des neuen Gebildes "GC Amicitia". Wir sind jetzt im sechsten Jahr und können feststellen, dass der damalige Entscheid richtig war. Wir sind seit Jahren ein echter Spitzenclub im Nachwuchs und wollen auch in der NLA wieder eine bedeutende Rolle spielen.

Hand aufs Herz, für wen oder was schlägt es vornehmlich?

Mein Herz schlug für den ZMC Amicita, aber im gleichen Mass für GC. So war es für mich ein Vergnügen, massgeblich an der Fusion zu arbeiten. Und seither führe ich mit Hingabe die Geschäfte von GC Amicitia. Aber mein Herz schlägt ebenso für die Jugend. In der Verantwortung, ein Juniorenteam zu führen, gehe ich völlig auf.

Interview: Eugen Desiderato