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GC Unihockey | 27.05.2016

Unihockey: Meistertitel - Lohn für harte Aufbauarbeit

GC INSIDER: Die GC Sektion Unihockey, 2002 entstanden durch die Fusion der drei Clubs UHC Cosmic Zürich, UHC Zürich und Zürich Lakers, gewann nach 14jähriger zielgerichteter Aufbauarbeit ihren ersten Schweizer Meistertitel. Dario Pasquariello, Mann der ersten Stunde und im zweiten Jahr Präsident - man hat das Gefühl, dass Ihnen die Freude über den Meistertitel noch immer ins Gesicht geschrieben steht.

Dario Pasquariello: Das kann schon sein. Wir dürfen uns aber auch freuen und ein wenig stolz sein, auf das Erreichte. Seit Gründung der Sektion verfolgten wir konsequent ein Ziel, was mich persönlich angetrieben hat, dabei in verschiedenen Funktionen meinen Beitrag zu leisten. Tatsächlich, nach dem Titelgewinn in der SwissArena in Kloten gegen Köniz herrschte Freude über Freude, verschiedene Vorstandskollegen hatten gar Freudentränen in den Augen. Ich war wohl etwa cooler, weil ich schon vor dem Spiel ein gutes Gefühl hatte, dass unser Team für den Coup fähig sein wird. Und tatsächlich bot sie ein spektakuläres Spiel. Der Titel bedeutet auch Genugtuung für 14 Jahre harte Arbeit der Sektionsverantwortlichen. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn alles aufgeht.  

Dabei sah es nach dem ersten Drittel und dem 1:4 Rückstand Ihres Teams nicht gerade erfolgversprechend aus.

In der Tat, aber meine Erfahrung als Spieler, Trainer und langjähriger Funktionär sagt mir, dass man im Unihockey nach 20 Minuten noch kein Fazit ziehen kann. Deshalb war ich relativ cool und habe auch unsere aktuellen und potenziellen Sponsoren, die auf Einladung der GC Sektion Unihockey den Superfinal von einer Loge aus verfolgten, beruhigt. Ich wusste, dass unser Trainer die richtige Ansprache an die Spieler halten wird, es war dann auch so.

Die Spieler gingen an ihre Leistungsgrenze, wie der Beobachter in der Halle und an den Fernsehgeräten feststellen konnte. Sie machten beste Werbung für das Unihockey.

Tatsächlich, das gesamte Team hat eine geschlossene Leistung auf hohem Niveau gezeigt. Die übrigen Spieler mögen mir verzeihen, wenn ich dennoch einen besonders erwähne, Kim Nilsson, der in diesem Spiel seine wohl beste Leistung der gesamten zwei Jahre, die er bei uns agierte, zeigte. Der Schwede konnte einen weiteren Titel, der des Schweizer Meisters zu seinem aussergewöhnlichen Palmares (2-facher Weltmeister, 2 mal MVP an der WM, und schwedischer Meister) hinzufügen. Er hat vor allem im zweiten Drittel, als das Spiel gedreht werden konnte, gekämpft wie ein Löwe. Der Superstar hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt, seine Grösse, seine Reichweite, seine Stocktechnik, sein „Auge“ und seine Physis ausgespielt. Ich meine, es war sogar die beste Leistung, die je ein Spieler in der Schweiz geboten hat. Aber bei all dem Lob vergesse ich nicht den Rest des Teams, das nach dem Halbfinal nun auch im Final ihr Leistungspotenzial abgerufen hat. 

Kim Nilsson kehrt nun aber in seine Heimat zurück. Was bedeutet dies für das Team? Kann das Niveau gehalten werden?

Diese Rückkehr war bereits bei seiner Verpflichtung klar. Wir konnten Kim für zwei Jahre ausleihen. Uns wird zugute kommen, dass wir bewusst unser Spiel nicht auf Kim Nilsson ausgerichtet haben, vielmehr musste er sich unserem Spiel anpassen. Seinen Abgang kompensieren wir mit dem rechten Flügel Emil Julkunen vom schwedischen Qualifikationssieger Pixbo Wallenstam, der voraussichtlich noch besser in unser System passen wird. Mit Nico Scalvinoni der für ein Jahr in Schweden spielen wird, verlässt uns ein linker Flügel. Dafür kommt von SV Wiler-Ersigen der Finne Riku Kekkonen nach Zürich und aus Finnland stösst Daniel Steiger zu uns, der aus der höchsten finnischen Liga von NST Laapenranta wechselt. Vielleicht stellen wir sogar in der nächsten Saison, nach der Papierform beurteilt, ein besseres Team. Und dann gilt natürlich weiterhin, die besten Spieler aus dem Raum Zürich für den GC zu gewinnen. Und unsere Nachwuchsarbeit kann sich auch sehen lassen. In der abgelaufenen Saison stand unser U16 und U18 Team im Final, die U21 Mannschaft im Halbfinal. Zu einem Titel hat es allerdings leider nicht gereicht. Aber diese Erfolge zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Und als nächste Herausforderung steht die Champions League an.

Wobei zu sagen ist, dass die Champions League bei weitem nicht die gleiche Bedeutung hat wie jene im Fussball, vor allem was die Finanzen betrifft. Der Sieger kann mit einer Prämie von rund 10'000 Schweizer Franken rechnen. Der Schweizer Meister wird für die Teilnahme von seinem Landesverband finanziell unterstützt, sodass die anfallenden Kosten der Teilnahme in etwa gedeckt werden. Die Champions League wird ja, gerade aus Kostengründen, an einem verlängerten Wochenende, von Freitag bis Sonntag ausgetragen. Dieses Jahr 40 Autominuten von Göteborg entfernt, Ende September, Anfang Oktober. Wir werden uns gegen das stärkere Team aus Schweden und gegen das etwa in Reichweite liegende Team aus Tschechien und Finnland durchsetzen müssen. 

Unihockey ist eine attraktive Sportart, die vor allem auch bei der Jugend sehr hohen Stellenwert geniesst. Die Medien in ihrer Mehrheit lassen diese Trendsportart aber links liegen. Zum Beispiel die NZZ am Sonntag hat einen Tag nach dem Superfinal nicht einmal das Resultat gebracht, dafür aber ein Gedicht über den Anlass, in dem Unihockey als attraktive Sportart bezeichnet wurde. Ein Hohn.

Eine verstärkte Medienpräsenz würde unserer Sportart gut anstehen, immerhin verfügen wir in der Schweiz über 32'000 lizenzierte Sportlerinnen und Sportler. Vielleicht aber bewirkt die Live Übertragung des Superfinals im Schweizer Fernsehen, sowohl letzte als auch diese Saison, ein leichtes Umdenken. Zudem packen wir den Stier bei den Hörnern. Als einziger Verein der Schweiz tragen wir unsere Heimspiele auf einem vom Verband zur Verfügung gestellten Boden aus, der die vielen störenden Linien verschiedener Sportarten überdeckt und damit dem Zuschauer, in der Halle wie am TV, ein besseres Bild vermittelt. Die jeweiligen Verlege- und Abbaukosten müssen wir aber refinanzieren. Deshalb übertragen wir in Eigeninitiative die NLA Spiele im Live Stream nicht nur für die Fans, sondern wir wollen unseren Partnern eine Werbeplattform bieten um damit wichtige und notwendige Einnahmen generieren zu können. 

Interview: Eugen Desiderato