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28.09.2018

IM GEDENKEN | KARL ERB, LEBENSLANG EIN GC FREUND

Anfangs September ist Karl Erb, der in den goldenen Zeiten des Skisports der populärste Sportreporter der Schweiz, in seinem 93. Altersjahr verstorben. Er kommentierte in den 1960er- und 1970-er-Jahren im Schweizer Fernsehen neben den Skidisziplinen alpin, Langlauf und Springen auch Formel-1-Rennen und Reiten und bediente zahlreiche Zeitungen mit seinen Berichten. Und er war Fussballer des legendären Fussballteams «GC 5».

Bis ins hohe Alter GC Freund

Im Team «GC 5» waren echte Hobbyfussballer vereint, die es aber auf ein beachtliches spielerisches Niveau brachten. Obwohl Karl Erb mit Freude in dieser Mannschaft dem Fussballsport huldigte und echter Freund des Grasshopper Club Zürich war, während der Fussball-WM 1954 in der Schweiz als Platzspeaker amtete, kommentierte er beruflich grundsätzlich keine Mannschaftssportarten. Bis ins hohe Alter verfolgte er das Geschehen im und um den GC ganz genau. Wenn er während meiner Zeit als Medienchef der Grasshopper Fussball AG mit dem Entwicklungen unzufrieden war, liess er mich seine Kritik wissen. Ganz wie es seinem Naturell entsprach: Er galt als gradlinig, mit dem Hang zum Sturen, was sich mit der Zeit aber etwas abgeschliffen hat. Er wurde altersmilder.

Journalist und Organisator

Neben seinen journalistischen Tätigkeiten engagierte sich der äusserst sprachbegabte Karl Erb auch für den Schweizer Sport als Funktionär und Organisator von Sportanlässen. So war er mit Fred Rubi vor allem ideell massgeblich an der Gründung des Adelbodner Skitags beteiligt. Und er war zwischen 1954 und 1956 auch einer meiner Vor-Vor-Vorgänger als Präsident der Vereinigung Zürcher Sportjournalisten.

Entwicklung lief ihm zuwider

Zu Erbs Reporter-Tätigkeit wetteiferten u.a. die Schweizer Bernhard Russi und Roland Collomin mit den Österreichern Karl Schranz und Franz Klammer. Dank dieses Wettkampfes interessierten sich auch die Boulevardzeitungen beider Länder vermehrt für den Skisport. Journalistenkollege Stefan Oswald erinnert sich in der NZZ: «Karl Erb pflegte zu wettern über die «Fussballjournalisten» aus Wien, die vom Skifahren keine Ahnung hätten, und kreierte den Begriff des «Zielpfostenjournalismus»: Die Reporter begaben sich nicht mehr auf die Pisten, sondern lebten von den Aussagen der Athleten und ihrer Trainer; ein Flirt war plötzlich wichtiger als ein perfekter Sprung – eine Entwicklung, die Erb gegen den Strich ging.  Als sich die Zeitungsleute immer öfter vor Ort begaben, war der Printjournalist Erb nicht mehr so gefragt, und als ihn das Schweizer Fernsehen 1980 fest anstellen und dem freischaffenden Journalisten Fesseln anlegen, ihn gleichsam zum Fernsehbeamten knebeln wollte, zog er sich langsam vom Bildschirm zurück.» Seinen Lebensabend verbrachte er im Tessin. Eine Augenkrankheit liess ihn fortschreitend das Augenlicht verlieren. Er zog sich in den letzten Jahren mehr und mehr zurück und scheute Kontakte. Er ist friedlich im Kreise seiner engsten Angehörigen eingeschlafen. Mit Erb ist nach den Brüdern Arnold und Walter Wehrle, den langjährigen Chefredaktoren und Geschäftsführern der «Sportinformation», Walter Lutz, dem Chefredaktor des «Sport», und Radio-Legende Sepp Renggli die letzte grosse Persönlichkeit aus den Pionierzeiten des Schweizer Sportjournalismus gestorben. 

Eugen Desiderato