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GC Eishockey | 21.12.2015

Matti Alatalo: Die Begeisterung in den Augen

Matti Alatalo hat als Trainer der GCK Lions eine zentrale Funktion in der Ausbildung des Personals für die erste Mannschaft. Der 57-jährige Sportlehrer aus Oulu im hohen Norden Finnlands, ist der einzige Trainer, der nach 1995 die Anläufe und das Scheitern von GC und den nachfolgenden Aufbau der Lions-Pyramide miterlebte.

Laut und klar tönen die Anweisungen Matti Alatalos durch die morgendliche Kühle der KEK. Immer wieder lässt er die vier Blöcke spezielle Spielsituationen in den Angriffszonen wiederholen, fordert energische Abschlussversuche. Am Ende demonstriert er, wie im Powerplay durch ein passives Verhalten eines Stürmers aus der Überzahl eine Unterzahl gegen den Abwehrblock werden kann. 

Seit vier Saisons steht er wieder in der Verantwortung für die GCK Lions. Im Farmteam machen die Talente den letzten Schritt, um für die ZSC Lions gerüstet zu sein. Die Aufstiegschancen der meist jugendlichen Spieler waren in jüngster Vergangenheit gut. Das lag an Headcoach Marc Crawford, der sich aus der NHL gewohnt ist, die positive Entwicklung des Nachwuchses zu belohnen. Aber ebenso sehr an Alatalo, dem Ausbildner, und an seinem Assistenten Richi Novak. Auch wenn ihn das als Coach des B-Clubs schmerzen muss: Er sei froh, wenn er die ins Hallenstadion aufgerückten Spieler möglichst nicht mehr in Küsnacht sehe, scherzt er. In diesen Fällen haben sie sich in der obersten Spielklasse etabliert. 

Es ist sein Schicksal, dass er fast jeden Sommer mit seiner Mannschaft einen Neustart machen muss. Und das Team tendenziell immer jünger wird. Er liebt seine Rolle als Zubringer in einer Organisation, die für ihn in der Nachwuchsförderung europaweit führend ist. Sein Credo ist: Es braucht die Basisarbeit, es braucht den Lernprozess für alle. Die Abkürzung vom Talent direkt zum Topspieler funktioniert nicht. Bei den GCK Lions müssen die Junioren lernen, gegen Männer anzutreten, denen "am ganzen Körper Haare wachsen", wie es der Finne martialisch formuliert. Die Gegner sind immer älter und routinierter. 

Einigen seiner Schützlinge ist diese Transition schnell gelungen. Denis Malgin, der letzte Saison im Novizenalter wie Verteidiger Jonas Siegenthaler den Sprung von GC zu den ZSC Lions machte, sei der talentierteste Stürmer, den er bisher gesehen habe – zu vergleichen mit den frühen Jarkko Immonen, dem heutigen EV-Zug-Star. Er schwärmt von Chris Baltisberger, der jetzt bei den ZSC Lions die Kollegen mit seiner Energie mitreisst und dies auch in der in NLB tat. Die Begeisterung in Baltisbergers Augen für den Sport möchte er bei allen sehen. 

Seine Philosophie basiert auf dem sogenannten Kooperationshockey. Niemand schiesst ein Tor allein. Es braucht immer einen ganzen Block dazu. Die Einstellung, die Work-Ethik, die Energie sind die Komponenten, die den Mangel an Erfahrungen gegenüber der Konkurrenz kompensieren. Der Charakter entscheidet schliesslich, ob einer seine Skills in erfolgreiche Aktionen umsetzen kann. Alatalo möchte, dass seine Spieler den Mut zeigen, etwas zu kreieren, und keine Angst haben, zu verlieren.

Als generelle Schwäche bezeichnet er die in Unkonstanz seiner Mannschaft – über ein Spiel, über die ganze Saison gesehen. Oft spielen die GCK Lions solid, überzeugend, schnell. Und lassen sich dann aus dem Rhythmus bringen. In diesem Herbst sei ein grundsätzlicher Schritt zurück notwendig. Das Team soll wieder einfacher spielen. In der Vergangenheit hatte es phasenweise weit höher eingestufte Gegner mit Tempospiel und Scheibenkontrolle überfordert, die Pace aber nicht durchgehalten. 

Alatalo hat Verständnis dafür, wenn die Junglöwen Leistungsschwankungen haben. Die Spieler sind in diesem Alter gefordert, in der Schule oder in der Lehre, im Sport und im Privaten. Sie durchlaufen eine wichtige Lebensschule. Ablenkungen warten an jeder Ecke. Der Trainer verhehlt nicht, dass er gerne mehr Trainingsstunden einsetzen würde - so wie in Skandinavien üblich. Bei GC ist zum Beispiel der Mittwoch heilig und mehr oder weniger eishockeyfrei. Auch am Mittag hat er zuweilen nur die Profis auf dem Eis. So geht er mit den Lions und in Absprache mit dem Elitetrainer, dem Nachwuchschef und dem Sportchef einen Weg der helvetischen Mitte. Nicht mit der Anzahl Trainingsstunden der Finnen oder Schweden, aber auch nicht mit der Konzentration auf den Ernstkampf wie in den kanadischen Juniorenligen. 

Bisher ist das für die Lions-Organisation und Alatalo eine gute Lösung. Der Finne gehört mittlerweile zu diesem Club wie der Emmentaler Simon Schenk. Irgendwann wird der Mann aus dem rauhen Norden in die Heimat zurückkehren, nicht als Trainer, wie er sagt, sondern nur als Sportchef oder Pensionär. So weit, dass er ein Angebot aus der Schweiz nicht prüfen würde, möchte er nicht gehen – trotz Löwenherz. 

Die Trainer der GCK Lions in der NLB seit dem Zusammenschluss 1997

1997, Dave Tietzen (Ka)

1998, Riccardo Fuhrer (Sz)

1999, Riccardo Fuhrer (Sz)

2000, Matti Alatalo (Fi)

2001, Matti Alatalo (Fi)

2002, Christian Weber (Sz)

03-10, Beat Lautenschlager (Sz)

2010, Dino Stecher (Sz)

Seit 2011 Matti Alatalo (Fi)