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GC Rudern | 24.08.2018

RUDERN | THOMAS KELLER-BIOGRAFIE ERSCHIENEN

Knapp dreissig Jahre nach dem Tod von Thomas «Thomi» Keller wird dessen Wirken für den internationalen (Ruder-)Sport gewürdigt. In der Biographie «Thomi Keller, A Life in Sport» zeichnet der Autor, Sportjournalisten David Owen ein treffendes Bild des berühmten Sportfunktionärs und lässt viele seiner Weggefährten zu Wort kommen.

Thomas Keller, knapp 50 Jahre Mitglied des Grasshopper Club Zürich, widmete einen grossen Teil seines Schaffens erfolgreich dem weltweiten Rudersport. Von 1958 bis zu seinem Tod 1989 führte er als Präsident die Fédération Internationale des Societies d‘ Aviron (FISA), in einer Zeit, die von der Politik des Kalten Krieges und der beginnenden Kommerzialisierung des Sports geprägt war. In diesen dreissig Jahren wurde der Grasshopper zur «herausragenden Figur in der Geschichte des internationalen Rudersports», wie es ein Weggefährte formuliert. Keller modernisierte massgeblich das Rudergeschäft wobei er immer entschlossen den Sportler in den Mittelpunkt stellte. In seine Amtszeit fiel u.a. die Einrichtung von Ruder-Weltmeisterschaften (1962) und zwölf Jahre später die Umstellung der Weltmeisterschaften vom vierjährigen Modus auf die jährliche Durchführung, ebenso die Integration des Frauenruderns in Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Ein Thema zieht sich gewissermassen als roter Faden durch die Biographie, Thomas Kellers enormer, selbstloser Einsatz für faire und disziplinierte Bedingungen an internationalen Sportanlässen, stets im Interesse der Athleten. Er tat dies in souveräner Unabhängigkeit, mit strategischem Denken und grosser Durchsetzungskraft, aber auch, wenn nötig mit diplomatischem Feingefühl, Humor und ansteckender Energie. 

Die FISA hat in Würdigung der Verdienste ihres langjährigen Präsidenten ihre höchste Auszeichnung, die jedes Jahr für einen verdienstvollen Sportler nach dessen Rücktritt vom Spitzensport vergeben wird, mit dem Namen Kellers verbunden, die Thomas-Keller-Medaille. Und in Kellers Todesjahr 1989 beschloss auch der Vorstand der Sektion Rudern des Grasshopper Club Zürich das Andenken ihres langjährigen Mitglieds mit dem Thomas-Keller-Gedenkpreis zu bewahren. Die Auszeichnung wird seither jeweils am 24. Dezember, an Kellers Geburtstag, anlässlich des alljährlichen Weihnachtsruderns an ein Mitglied der Sektion Rudern verliehen, das sich in besonderem Masse für den Rudersport, vornehmlich der GC Sektion eingesetzt hat.

Von 1969 bis 1986 war Keller auch Vorsitzender der Vereinigung Internationaler Sportfachverbände, der General Assembly of International Sports Federations (GAISF), womit sein Einfluss weit über den Rudersport hinaus ging. Aber Thomas Keller widmete sich nicht nur der hohen Sportpolitik, sondern war auch für die Sektion Rudern des GC tätig, zum Beispiel auch als TK Chef. Der frühere Sektions-Vizepräsident Rico Gorini erinnert sich: «Was mich bei Thomas Keller als Mensch beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass er neben seinen bekannten Top-Positionen als internationaler Sport-Funktionär gleichzeitig bei uns im Club als «einfacher» Ruder-Kamerad auftrat, down the earth, als einer von uns.» Gorini arbeitete zu einer Zeit mit Thomas Keller eng zusammen, als der Doppelzweier Bürgin/Studach zwischen 1964 und 1968 ungeschlagen zur absoluten Weltspitze gehörte. In guter Erinnerung bleiben nicht nur die zu jener Zeit an manchen Sonntagmorgen durchgeführten Ausfahrten im Doppelvierer in der Besetzung Thomas Keller/Hans Frohofer/Rico Gorini/Thomas Isler, sondern auch das jeweils folgende gemeinsame Beisammensein bei Speis und Trank.

Mit Kurt Lenherr erinnert sich auch ein weiteres GC Urgestein gerne an Thomas Keller: «Als ich 1956 Junior-Mitglied der GC Sektion Rudern wurde und im Laufe der Jahre an Schweizer Ruder Regatten im GC Boot teilnehmen konnte, war Thomi bei der Elite erfolgreich, sowohl im Einer als auch im Doppelzweier mit Hans Frohofer. Für uns junge Clubmitglieder war es eine Ehre, die Boote unserer bekannten Vorbilder an den Einsteige-Ponton tragen zu dürfen. Später wurden diese Vorbilder auch unsere Trainer, Betreuer und wahre Freunde im Club und im privaten Leben. 1951 wurde Thomas Keller vom Handelshaus Ed. A. Keller in dessen Filiale nach Manila/ Philippinen delegiert. Er nahm sich neben seinen beruflichen Aufgaben auch Zeit für seinen geliebten Rudersport und wurde Mitglied des 1873 gegründeten „Manila Boat Club“. Als ich von meiner Firma 1978 von Bangkok nach Manila delegiert wurde gab mir Thomi den dringenden Rat: werde sofort Mitglied des Manila Boat Club. Ich gehorchte und wurde auch bald Boat Captain. Im selben Jahr, auf der Rückreise von den Ruder-Weltmeisterschaften in Neuseeland machte Thomas Keller, zusammen mit seinem FISA Generalsekretär Denis Oswald (späterer Nachfolger als FISA Präsident), einen Nostalgie-Halt in Manila und übergab dem Manila Boat Club eine FISA Fahne. Die GC Fahne hatte ich dem Club schon vorher geschenkt. Nachdem ich mich wieder in der Schweiz niedergelassen hatte, engagierte ich mich nach Thomas Kellers Entwicklungsgedanken dem Projekt, den Rudersport in Südostasien zu fördern. Gebrauchte Rennboote des Grasshopper Club Zürich wurden für die Gründung des Philippinischen Ruderverbandes nach Manila verschickt. Und noch heute nehme ich als dessen Director International Affaires an den FISA Kongressen in Europa teil und treffe dabei noch ehemalige internationale Freunde von Thomas Keller», so Kurt Lenherr.

In der Biographie «Thomi Keller, A Life In Sport» sind noch viele Episoden aus dem Leben des grossen Grasshopper zu finden. Das lesenswerte Werk ist vorerst nur in englischer Sprache erhältlich: www.bookdepository.com und www.amazon.com. 

Eugen Desiderato