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GC Rudern | 16.09.2015

2015 World Rowing Masters Regatta, Hazewinkel

Der Grossanlass der Masters wurde von rund 3‘500 Booten aus 45 Ländern besucht. Die Regattabahn von Hazewinkel liegt in einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Mechelen und Brüssel. Auf dieser schönen Regattaanlage wurden schon verschiedentlich ruderische Grossanlässe durchgeführt, so zum Beispiel die Ruder-WM 1985 oder die Junioren-Europameisterschaft 2014.

Ich stand im Skiff, Doppelzweier (mit Reinout Houttuin von der S.N. Neuchâtel) und Doppelvierer (R. Houttuin sowie Mathias Hitz und Daniel Pfister, beide vom RC Uster) im Einsatz. Das Unternehmen Hazewinkel begann für uns schon an der Herbstregatta Uster, wo wir alle zum Einsatz gelangenden Boote einer Generalprobe unterzogen. Es resultieren dort für mich drei klare Siege, wobei derjenige im Skiff mit 35 Sec. Vorsprung besonders deutlich ausfiel. Im Wissen, dass es in Hazewinkel wesentlich schwieriger werden würde, fuhr ich dennoch zuversichtlich nach Belgien.

Auf der Regattabahn blies während drei Tagen ein starker bis sehr starker Gegenwind, welcher die Rennen deutlich länger als normal machte. Für uns eher leichtgewichtige Ruderer mit rund 75 kg Durchschnittsgewicht nicht unbedingt ein zwingender Vorteil. Bis zum dritten Tag herrschte strahlender Sonnenschein, am Samstag war das Wetter teilweise regnerisch. Wie an jeder World Masters Regatta finden sich die meisten Teilnehmer in der Altersklasse „C“ (43—49 Jahre). Im Skiff wurde das Feld beispielsweise auf 16 Läufe mit in der Regel 7-8 Teilnehmern aufgeteilt. Im C-Skiff vom Donnerstag belegte ich den zweiten Rang, eine Länge hinter einem sehr bekannten holländischen Skiffier. Neben dem Holländer waren der Irländer und der Russe aus St. Petersburg meine hartnäckigsten Widersacher. Ich hetzte den Sieger recht zügig vor mir her, sodass für mich schlussendlich die 6. Zeit von 114 klassierten Ruderern gestoppt wurde!

Den ersehnten Sieg erreichten wir dann am folgenden Tag im Doppelvierer der Altersklasse B (36-42 Jahre). In einem Siebnerfeld fuhren wir einen Start-Ziel-Sieg mit 5 Sekunden Vorsprung heraus. Hinter uns liessen wir 2 Boote aus GER sowie Boote aus ITA, NED, POR und SVK. Unsere Freude war gross, hatten wir doch diesen Sieg nicht unbedingt erwartet. Aber wir peitschten das Rennen im Gegenwind mit einer Schlagzahl von nicht unter 38 durch.

Am Freitagnachmittag erreichte ich im Doppelzweier der Altersklasse C noch einen dritten Rang in einem Achterfeld mit 4 Sekunden Rückstand auf die siegende Mannschaft aus Holland.

Am Samstag kam ich im Skiff der Altersklasse B wieder auf einen zweiten Rang von 7, wobei ich sehr lange geführt hatte und dann leider noch von einem slovenischen Ruderer niedergekantert wurde.

Das gleiche Resultat fuhren wir gleichentags im Doppelvierer der Altersklasse A heraus, wobei wir rund 2 Sekunden auf „riesige“ Ruderer aus Tschechien verloren, dafür aber einige wenige Hundertstel auf ein ostdeutsches Boot über die Ziellinie retteten.

Nachdem ich im 2x und 4x in guten Booten vom RC Uster rudern durfte, ging das für das letzte Doppelzweierrennen vom Samstagnachmittag der Altersklasse A nicht mehr, weil die Viererkollegen das Boot ebenfalls benötigen. Wir mieteten uns also einen Filippi-Doppelzweier, welcher an der diesjährigen WM in Aiguebelette von einer koreanischen Frauenmannschaft gerudert wurde. Leider waren die Schuhe asiatisch klein und unsere Füsse steckten wie in einem Schraubstock fest. Reinout erliitt während des Rennens einen Krampf und vielleicht war die Luft auch generell etwas draussen. Auf jeden Fall resultierte noch Rang vier. Schade, dass der ursprünglich gemeldete Thomas Lange nicht zum Rennen angetreten war. Ich hätte mich gefreut, einmal gegen diese Ruderlegende zu fahren.

Es war ein tolles Regattaerlebnis in Belgien mit dieser Vielzahl an internationalen Mannschaften. Meines Wissens bin ich der erste GC-Ruderer (zumindest in der jüngeren Vergangenheit), welcher einen Sieg an der FISA-Masters-Regatta erzielen konnte. Die guten Resultate geben mir eine grosse Befriedigung und ja, machen mich auch ein wenig stolz, denn sie sind das Ergebnis von jahrelangem, konsequentem Training, welches ich immer in vollkommener Eigenregie durchzog.

Bericht und Foto Michael Benn