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GC Rudern | 21.11.2015

Blutwurstachter, 21. November 2015

Von abgesoffenen Booten und Weicheichern

Es berichtet unser Sonder-Korrespondent Reto Bügler über die 22. Ausgabe des Blutwurst-Achters in Rorschach vom Samstag, 21.11.15

 

Gutgelaunt trafen sich die Angemeldeten Grasshopper am Samstag, 21. November 2015 um 13:30 im Bootshaus am Mythenquai. Michael Dorn bereits umgezogen (war er vorher im Kickboxtraining?) mit seinem Bruder Rafael im Schlepptau. Er und Sergio Giordani machten bei "Schere, Stein, Papier" aus, wer den Pilotensitz in unserem Club-VW benützen durfte. Sergio musste auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, unterhielt uns aber während der Fahrt köstlich. So meinte er, der massive Feuerwehreinsatz mit Blaulicht vor dem Urania-Parkhaus sei vermutlich lediglich auf eine Fusspilzattacke eines Autofahrers zurückzuführen. Von einem Brand oder einem Unfall hatten wir nämlich glücklicherweise nichts erfahren. Sergio's Kommentar zum Spruch "Saugen und Blasen", den wir auf dem Heck eines Agglo-Fahrzeuges entdeckten, erzählt er auf Wunsch Interessenten aber gerne selber. Auf dem Weg Richtung Bodensee nahmen wir in der Nähe von Effretikon einen unrasierten Tramper mit Schnauz auf, der eine John Lennon-Brille trug und sich Niki nannte. Dieser Niki meinte, es sei etwas warm im Bus. Sonst sagte er nicht viel. Das schadete aber weiss Gott nichts, es hatte genug Plaudertaschen an Bord. Im Bus fehlte Otti Ernst, er kam zu spät ins Bootshaus. Ich konnte ihn aber mit einem Anruf davon überzeugen, dass er die Fahrt nach Rorschach auch alleine schaffen werde. Bravo Otti – schön, dass Du, trotz Deinem Missgeschick, uns die Ehre erwiesen hast!

 

Pünktlich erreichten wir das Bootshaus am Bodensee. Dort warteten bereits unsere Freunde vom Seeclub Rorschach auf uns. Der Präsident, Rolf Deubelbeiss, begrüsste uns freundlich und teilte dann die anwesenden Herren auf 4 Boote auf. Christian Grommé wurde zum Schlagmann im Empacher-Achter (staubig, da lange nicht mehr gewassert) ernannt. Multi-Tasking ist bekanntlich eine Kernkompetenz des frisch ernannten Schlagmanns und so erstaunte es auch niemanden, dass er, während er sein Stemmbrett verstellte, gleichzeitg einen Schoko-Riegel mit der Bemerkung "Du kannst es nicht besser, aber länger“ verzehrte. Christian hat seiner Mannschaft übrigens anvertraut, dass er wie Chuck Norris zweimal bis auf Unendlich gezählt habe und ebenso den „Roundhouse-Kick“ beherrsche.

 

Mit Vorfreude ruderten wir – ein Achter, zwei C-Gig-Vierer und ein C-Gig-Fünfer – Richtung Alter Rhein, obwohl die Wetter- und Wasserbedingungen alles andere als verheissungsvoll waren. Im Achter wies uns Chuck an, akzentuierter zu rudern und auf den Rhythmus zu achten. Nun, uns interessierte eigentlich der aufkommende Sturm viel mehr als Akzente und Rhythmus. Das Wasser wurde immer schlechter, der Sturm stärker und so verzichteten wir darauf den Alten Rhein zu befahren und wendeten bereits nach 7 Kilometern.

 

Rolf Deubelbeiss, der den Achter steuerte, war mit der Erteilung von Kommandi, wegen einer Nasen-Operation, etwas eingeschränkt. Aber er kompensierte das mit einer hübschen gelben Kappe und ... viel wichtiger, er hat uns sicher durch die stürmische See navigiert. Die Lage wurde nämlich langsam bedrohlich - immer stärkere Böen, überall weisse Schaumkronen. Der Riemen-Achter und ein C-Gig flüchteten in den sicheren Hafen von Staad, wo uns ein Mitarbeiter mit einem lauwarmen Bier helfen wollte. Nach ungefähr zehn Minuten Wartezeit hatte sich die Wetterlage aber wieder etwas beruhigt und beide Boote konnten zurück zum Bootshaus gerudert werden. Dank den Steuerkünsten von Rolf und dank unserem versierten Schlagmann Chuck, der angeordnet hatte, dass zwei Ruderer das Boot zu stabilisieren hätten und nur sechs Herren rudern durften, landeten wir sicher beim Ponton vor dem Bootshaus des Seeclubs Rorschach im Rietli. Unterwegs bewunderten wir, schlechtes Wasser hin, schlechtes Wasser her, die eindrückliche Rorschacher-Kulisse mit modernem Würth-Museum, Villen, Kornhauskammer etc.

 

Die beiden anderen Boote hatten weniger Glück. Sie soffen ab und mussten in Staad vor dem Fabrikgelände der Stadler Rail notlanden. Die bis auf die Knochen nassen Unglücksraben deponierten die Boote am Strand und verschoben sich zu Fuss ins Restaurant Jägerstube. Dort wärmten sie sich mit heissem Tee auf. Danach trennte sich der Spreu vom Weizen. Fünf knallharte Kerle stiegen vollkommen durchnässt und zähneklappernd wieder ins Boot und ruderten zurück zum Bootshaus. Die anderen entpuppten sich als üble Weicheier. Sie liessen ihr Boot liegen und kamen per Autostopp ins Rietli.

 

Der gemütlichere Teil des Programms ist schnell erzählt. Wir verschoben uns nach ausgiebigem Duschen zum Apéro ins Restaurant Engler, mitten in der Stadt. Wir waren eine stattliche Truppe,denn Otti Ernst und einige Seeclübler verstärkten unsere Runde. Hauptgesprächsstoff während dem Apéro waren natürlich unsere Erlebnisse vom Nachmittag. Diese wurden mit jeder Minute heldenhafter und gefährlicher. Eines der Weicheier verstieg sich sogar zur Behauptung, dass Willhelm Tell's Fahrt auf dem stürmischen Urnersee ein Konfirmandenausflug im Vergleich zu unseren Abenteuern gewesen sei...

 

Ungefähr eine Stunde später nahm die Gesellschaft dann Platz im Restaurant. Am runden VIP-Tisch, welcher eigentlich den Organisatoren und deren Entourage vorbehalten war, nahmen auch die Weicheier Platz. Vermutlich, weil sie sich nicht getrauten, unter die knallharten Kerle, die nicht schlapp machten, zu mischen. Edgar fühlte sich bemüssigt, eine Rede zu halten. Er erzählte uns, wie er zu seinem neuen Übernamen "Capitano Schettino" gekommen sei. Ich konnte seinen "launigen Worten" aber nur beschränkt folgen. Neben mir sass nämlich ein grossgewachsener, furchteinflössender Rorschacher mit prächtigen Tattoos. Er sprach nicht viel, aber das was er sagte, hatte Hand und Fuss. So erfuhr ich, dass er selber Schnaps brenne und dieser fruchtig, fein und weich sei.

 

Das Essen war ausgezeichnet! Am beliebtesten waren natürlich die Leberwürste. Man kann sich mit Fug und Recht fragen, ob unser Anlass nicht in Leberwurst-Achter umgetauft werden sollte. Es gab Supplément à discretion und das Servierpersonal war bezaubernd. Freundlich lächelnd las man mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Beim Dessert hatten wir die Qual der Wahl: Crema Catalana, Vermicelles oder hausmarinierte Rum-Datteln mit Vanille-Glace standen zur Auswahl. Wahrlich eine schwierige Sache, sich richtig zu entscheiden.

 

Einige am Tisch, inklusive der Kellnerin, amüsierten sich an Smart-Phone Videos. Andere erzählten von ihrer Rudertour in Kroatien, wo sie ebenfalls abgesoffen waren, zum lokalen Coiffeur gingen, dort mit Slivowitz betäubt wurden und eine Frisur verpasst bekamen, die heute noch halte. Was für eine Konversation am Weicheiertisch geführt wurde, ist dem Verfasser nicht bekannt. Immerhin fiel mir auf, dass Sergio fast kein Wort sagte und still und leise ein Guetzli - oder war es sein hellblauer Schal - in den Kaffee tunkte.

 

Zu später Stunde erzählten uns unsere Rorschacher-Freunde beim Bier dann noch von ihren Erlebnissen im Alten Rhein. Allem Anschein nach jagten sie dort mit einem Skiff Rehe und wurden von neidischen Jägern mit Schrotkugeln attackiert. Jägerlatein oder wahre Begebenheit? Nicht wichtig, mir hat die Geschichte gefallen.

 

Summa summarum

Es war ein erlebnisreicher Anlass für echte Männer, die diese Herausforderung suchten und mit einem antarktisches Erlebnis belohnt wurden. Unsere Freundschaft mit den geschätzten Ruderern des Seeclubs Rorschach wurde einmal mehr intensiv gepflegt und wir freuen uns bereits jetzt auf den nächsten Blutwurst-Achter, der am Samstag, 19. November 2016 bei uns in Zürich stattfinden wird.

 

Mitgemacht vom GC haben:

Reto Bügler, Michael Dorn, Rafael Dorn, Otti Ernst, Erni Fuchs, Sergio Giordani, Christian Grommé, Edgar Heggli, Nik Morskoi, Herbert Spitzer.

Roundhouse-Kick Chuck Norris: siehe Youtube

Restaurant: http://www.englers-amsee.ch