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«UNSER MARKETING MUSS PROFESSIONELLER WERDEN»
Quelle: GC

«UNSER MARKETING MUSS PROFESSIONELLER WERDEN»

In der Serie «Themen, die bewegen» zeigen wir, wie die einzelnen GC Sektionen engagiert aktuelle Herausforderungen und Chancen anpacken – mit Herzblut, Kreativität und ganz viel Grasshopper Spirit. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und sprechen mit Verantwortlichen über Erfahrungen, Erkenntnisse und konkrete Ansätze. In der aktuellen Ausgabe verraten GC Handball-Präsident Felix Rübel und GC Basketball-Präsident Andreas Oberhack, mit welchen Marketing-Massnahmen sie für die nötige Aufmerksamkeit sorgen.

GC INSIDER: Um genügend Mitglieder zu akquirieren, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren und Sponsoringpartner zu finden, braucht es geeignete Marketing-Massnahmen. Was unternehmen GC Handball und GC Basketball, um auf sich aufmerksam zu machen?

Felix Rübel: Um möglichst viele Kinder für den Handball zu begeistern, führen wir beispielsweise fünf Mal pro Jahr während den Schulferien Handballcamps für Kinder der Stadt Zürich durch. Das mobilisiert pro Jahr rund 500 Kinder und Jugendliche, von welchen dann immer ein paar dem Verein beitreten. Weiter führen ausgebildete Trainerinnen Handballlektionen an Primarschulen durch. Und zuletzt findet jedes Jahr das Schülerturnier «Handballschüeli» statt, an der die teilnehmenden Schulklassen von unseren Trainerinnen und Trainern unterstützt werden. Die wichtigste Rekrutierungsform ist aber wohl die Mund-zu-Mund-Propaganda. Wenn es den Kindern bei uns gefällt, nehmen sie auch ihre Freundinnen und Freunde mit.

Andreas Oberhack: Auch GC Basketball arbeitet eng mit Zürcher Schulen zusammen und bietet Schnuppertrainings, Ferien-Camps und Schulprojekte an. Zudem sind wir auf Social Media präsent und posten Spielberichte, Highlight-Videos und Nachwuchsförder-Themen auf Instagram, TikTok und LinkedIn. Um die Aufmerksamkeit zu steigern, verleihen wir unseren Heimspielen einen Event-Charakter, indem wir Musik, Moderation und Merchandising einsetzen. Zusätzlich helfen uns Kooperationen mit lokalen Medien und Sportplattformen sowie regelmässige Community-Events, die den Verein in der Stadt bekannter machen.

Welches Ziel steht dabei im Vordergrund: Junge Talente für Handball begeistern, erfahrene Spielerinnen und Spieler zu GC holen oder Sponsoring-Verträge abschliessen?

Felix Rübel: Das sind drei völlig unterschiedliche Bereiche, die alle sehr wichtig sind. Neben der Nachwuchsrekrutierung an Schulen versuchen wir, gezielt die grössten Talente im Teenage-Alter aus der Region zu uns zu holen und ihnen dabei aufzuzeigen, dass sie bei uns optimale Entwicklungsmöglichkeiten haben. Bei der NLA ist die Kader- und Transferplanung ziemlich professionell und wird vom Trainer und dem Team Management durchgeführt. Die Sponsorensuche ist sehr aufwendig und nicht immer einfach. Sie ist primär Aufgabe des Vorstands.

Andreas Oberhack: Bei uns sieht es ähnlich aus: Oberste Priorität hat bei uns, junge Talente für Basketball zu begeistern und an den Verein zu binden. Denn Nachwuchsarbeit ist die Basis für langfristigen Erfolg. Zweite Priorität ist es, erfahrene Spielerinnen und Spieler für unsere Leistungsteams zu gewinnen. Parallel dazu versuchen wir, attraktive Sponsoren zu sichern, die gezielt in Jugendarbeit, Sichtbarkeit und Sportförderung investieren wollen.

Sponsoring ist ein Geben und Nehmen. Was könnt Ihr den Sponsoren bieten, damit sich das Investment lohnt?

Andreas Oberhack: Wir bieten ihnen Sichtbarkeit und Reichweite: Ihr Logo ist auf Trikots, Bandenwerbung, Social-Media-Kanälen und der Vereinswebsite präsent und wird von einer wachsenden Community aus Spielerinnen und Spielern, Eltern, Fans und Sportbegeisterten wahrgenommen. Zudem binden wir die Sponsoren auch aktiv in Kommunikationsformate ein, damit sie nicht nur mit dem Logo präsent sind. Ein Sponsoring von GC Basketball ist zudem hilfreich beim Employer Branding, also dem Aufbau einer starken Arbeitgebermarke, indem sie bei der Nachwuchsförderung, bei Diversity- und Health-Initiativen Kooperationen mit uns eingehen. Und natürlich profitieren sie auch von Einladungen an Spiele, VIP-Events und Networking-Möglichkeiten.

Felix Rübel: Die Bedürfnisse unserer Sponsoren sind sehr unterschiedlich. Eine Firma möchte primär ihre Produkte unseren Mitgliedern und deren Familien direkt vorstellen können, andere suchen junge Mitarbeitende über unseren Verein und wiederum andere interessieren sich eher für die traditionellen Werbemittel wie Matchshirt oder Banden- bzw. Bodenwerbung. Wir wollen unseren Sponsoren aber auch ein gutes Gefühl geben, indem sie mit ihrem Engagement im Nachwuchsbereich vielen Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglichen und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration leisten.

Habt Ihr eine konkrete Marketing-Strategie, auf die Ihr Eure Massnahmen abstützt?

Felix Rübel: Selbstverständlich, allerdings wird diese von ehrenamtlichen Personen umgesetzt, weshalb sie nie die Schlagkraft haben kann, die sie sollte. Da haben wir bestimmt Verbesserungspotential. Wir haben auch schon mit externen Marketingagenturen zusammengearbeitet, richtig überzeugen konnten sie uns aber nicht.

Andreas Oberhack: Unsere Marketing-Strategie hält beispielsweise das Brand-Building fest: GC Basketball positioniert sich als modern, urban und community-orientiert. Zudem gilt «Digital First»: Die Reichweite soll über Social Media, Content Marketing und Videos gesteigert werden. Bei der Rekrutierung sollen Schülerinnen und Schüler über Camps zu unseren Nachwuchsteams geholt und im Leistungsbereich gefördert werden. Auch in der Strategie festgehalten sind unsere Sponsoring-Pakete, also klar strukturierte Angebote für lokale KMU bis hin zu grösseren Partnern.

Wie hat sich das Marketing bei Euch in den letzten Jahren entwickelt? Welche Massnahmen sind altbewährt, welche neu?

Andreas Oberhack: Bewährt haben sich beispielsweise Spielplakate, Flyer, lokale Medienpartnerschaften und persönliche Netzwerke. Neu dazugekommen sind unter anderem TikTok-Kampagnen, digitale Livestreams, gezielte Rekrutierung über Social Ads und eine stärkere Event-Inszenierung.

Felix Rübel: In der Kommunikation mit der Handball-Community sind wir bereits sehr aktiv, sei das über unsere Website, über Newsletter oder über Social Media. Der Handballverband entwickelt momentan zudem Richtlinien für attraktivere und besser vermarktbare Spiele. So gibt es Vorschriften zum Hallenboden, zu Verpflegungsmöglichkeiten oder zu Tribünen. Zudem werden seit dieser Saison nicht nur die NLA- und NLB-Spiele alle live gestreamt, sondern auch sämtliche Spiele der Elitejunioren und -juniorinnen.

Wie wird sich Euer Marketing weiter verändern? Wo möchtet Ihr allenfalls noch ausbauen?

Andreas Oberhack: Wir wollen unsere Video- und Streaming-Angebote weiter ausbauen: Es sollen mehr Highlight- und Behind-the-Scenes-Clips sowie Livestreams von Spielen zur Verfügung stehen. Weiter soll Basketball als urbaner Lifestyle wahrgenommen, und unser Sponsoring professionalisiert werden. Zudem möchten wir die Wirkung der Marketing-Massnahmen zukünftig datenbasiert messen.

Felix Rübel: Auch wir müssen mittelfristig schlicht professioneller werden und von der Ehrenamtlichkeit im Sponsoring wegkommen, das ist einfach zeitlich nicht zu schaffen.

Welche Schwierigkeiten stellen sich im Marketing und wie reagiert Ihr darauf?

Felix Rübel: Es ist nicht einfach, Personen zu finden, die bereit sind, sich für Sponsoringaktivitäten einzusetzen. GC Handball hat darum die Aufgaben verteilt und alle Mitglieder eingebunden. Bei uns haben auch alle Spielerinnen und Spieler die Verpflichtung, sich im Marketing zu engagieren. Das heisst, dass sie selbst dafür verantwortlich sind, für sich ein Patronat zu organisieren, für den Sponsorenlauf Unterstützung zu finden oder Fotobücher zu verkaufen. Diese Massnahme hat sich sehr bewährt und deckt einen grossen Teil unseres Sponsoringbudgets ab.

Andreas Oberhack: Die grössten Schwierigkeiten bei GC Basketball sind wohl die Ressourcen, also Zeit, Budget und Personal, sowie die Konkurrenz durch andere Sportarten und Freizeitangebote. Zudem ist es nicht einfach, im übervollen Zürcher Sport- und Eventkalender aufzufallen. Deshalb fokussieren wir auf kosteneffiziente digitale Kanäle, auf gezielte Kooperationen mit Schulen und Unternehmen und auf Ehrenamt und Praktikantenprogramme.

Wie viel Zeit beansprucht das Marketing bei Euch etwa im Monat?

Felix Rübel: Das ist schwierig abzuschätzen, da es sich bei uns auf viele Personen verteilt.

Andreas Oberhack: Bei uns sind es zwischen 30 und 50 Stunden, je nach Saisonphase. Während dem Saisonstart und den Playoffs wird sicher mehr investiert.

Einerseits versucht Ihr also mit verschiedenen Marketing-Massnahmen, Menschen ausserhalb des Vereins zu begeistern und anzuwerben, andererseits wollt Ihr bestehende Mitglieder an den Verein binden. Wie wichtig ist Euch in diesem Zusammenhang die interne Kommunikation?

Andreas Oberhack: Sehr wichtig – ohne klare interne Kommunikation zwischen Trainerinnen und Trainer, Vorstand, Spielerinnen und Spielern und deren Eltern leidet die Wirkung nach aussen. Entscheidend ist, dass sowohl gegen innen als auch gegen aussen einheitliche Botschaften und Werte kommuniziert werden, damit die Marke GC Basketball konsistent wahrgenommen wird.

Felix Rübel: Die interne Kommunikation hat bei uns einen hohen Stellenwert. Neben der Präsentation nach aussen legt unser Kommunikationsverantwortliche grossen Wert darauf, dass unsere Mitglieder einen guten Einblick in unseren Verein erhalten und jederzeit wissen, was alles los ist, sei dies durch den monatlichen Newsletter, die Berichte über einzelne Teams oder Personen oder Social-Media-Posts. Es ist schön, wenn unsere Mitglieder sehen, dass sie Teil einer grösseren Gemeinschaft sind und auch mitbekommen, was ausserhalb ihres eigenen Teams passiert. Das verbindet und macht den Verein lebendig.

 

Pamela Schefer

  • «Nachwuchsarbeit ist die Basis für langfristigen Erfolg», findet GC Basketball-Präsident Andreas Oberhack.
  • GC Handball-Präsident Felix Rübel verrät: «Bei GC Handball müssen sich auch Spielerinnen und Spieler dazu verpflichten, sich im Marketing zu engagieren.»