GC INSIDER: Fussball verbindet – nicht nur Kulturen und Generationen, auch sozial benachteiligte Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen werden immer mehr in den Sport eingebunden. Die GC Fussball AG leistet in diesem Zusammenhang schon lange Pionierarbeit: Im Jahr 2020 hat GC zum Beispiel mit der «Hopper Hilfe» ein Charity-Programm lanciert, das finanziell benachteiligten Kindern den Zugang zum Fussball ermöglicht. Wie ist es dazu gekommen?
Süleyman Celikyurt: Während Corona haben wir gesehen, dass viele Menschen aufgrund eines Jobverlustes oder fehlender Aufträge in eine finanzielle Notlage gekommen sind. Deshalb hat unsere Marketing-Abteilung die «Hopper Hilfe» ins Leben gerufen. GC Spieler aus allen Sektionen, Mitarbeitende, Fans, Sponsoren, Partner und Gönner haben sich sehr grosszügig gezeigt und mit ihren Spenden dafür gesorgt, dass zum Beispiel Kinder aus armen Verhältnissen an GC Camps teilnehmen konnten.
Was geschah mit der «Hopper Hilfe», als die Pandemie zu Ende war?
Als wieder Normalität eingekehrt war, hatte die «Hopper Hilfe» noch immer Geld zur Verfügung. Damit haben wir unter anderem ein Konzept entwickelt, um Menschen mit Beeinträchtigung den Besuch von Heimspielen im Letzigrund zu vereinfachen. Mittlerweile wird das Konzept sogar für Konzerte genutzt. Ausserdem arbeiten wir auch mit dem Bildungsklub von Pro Infirmis zusammen: An einem dreitägigen Kurs können die Teilnehmer den GC Campus und den Letzigrund kennenlernen, und erfahren dabei unter anderem, wie man als Mensch mit Beeinträchtigung am besten ins Stadion gelangt, wie viele Rollstuhlplätze es dort gibt und wie wir auf dem Campus arbeiten.
Ihr spannt auch mit Autismus Schweiz zusammen. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?
Seit zwei Jahren ermöglichen wir Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum, unsere Heimspiele in einem geschützten Rahmen zu erleben. Dazu stellen wir ihnen und ihren Begleitpersonen eine Loge zur Verfügung. Auf dem Balkon können sie die Stimmung im Stadion geniessen, und wenn sie Ruhe brauchen, können sie sich ins Innere der Loge zurückziehen.
Seit Herbst 2024 hat GC Fussball zudem ein eigenes «Unified Team», ein Team für Menschen mit Beeinträchtigung…
Beim Erarbeiten des Konzepts für den Letzigrund und bei der Arbeit an meiner Bachelorarbeit, die ich über die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung an Heimspielen geschrieben habe, bin ich mit vielen betroffenen Menschen und Organisationen – unter anderem mit Special Olympics – ins Gespräch gekommen. Dabei entstand die Vision, nicht nur Fans, sondern auch beeinträchtigte Menschen, die sich sportlich betätigen wollen, zu unterstützen. Ich habe ausserdem die Familie Sandoz-Mey kennengelernt, die ein neues Inklusionsteam für ihren Sohn suchte. Mit ihrer Hilfe wurde ich auf die Wohnstätten Zwyssig aufmerksam, die ein eigenes Unified Fussballteam hatten. Ihnen fehlte ein geeigneter Rahmen, den wir bieten konnten. Deshalb übernahm GC das Team vor einem Jahr. Seither hat sich die Anzahl Spielerinnen und Spieler verdoppelt. Mittlerweile haben sie mit Dominique Sandoz-Mey eine engagierte Team-Managerin und nehmen an rund drei Turnieren teil, die wir in der Regel so aufgleisen, dass sie im Anschluss an ihr eigenes Turnier auch ein Profispiel des eigenen oder des gegnerischen Clubs erleben können.
Wie setzt sich das Team zusammen, welche Beeinträchtigungen haben die Spielerinnen und Spieler?
Sie haben körperliche, sensorische, psychische oder geistige Beeinträchtigungen. Sie können aber alle selbständig laufen und sich sportlich betätigen. Beim Unified Team steht der Spass im Zentrum, nicht die Punkte. Wir haben aber ein besonderes Augenmerk darauf, ob die Personen charakterlich ins Team passen. Wir hatten auch schon Störenfriede, die das ganze Team belastet haben. Die Trainer versuchen in solchen Situationen, diese Personen durch klärende Gespräche besser einzugliedern. Wenn das über längere Zeit nichts nützt, wird ihnen nahegelegt, das Team zu verlassen.
Inklusion kostet – nicht nur Geld, sondern auch Zeit.
Wir haben bei den US-amerikanischen Eigentümern der GC Fussball AG ein entsprechendes Budget eingereicht. Sie sind sehr affin für Inklusionsthemen. Zufälligerweise kennen sie auch die Familie, die uns zu Beginn zu einem Unified Team inspiriert hat. Sie haben uns schliesslich grünes Licht gegeben, was uns erlaubt, die Trainer zu entschädigen, Material zu beschaffen und Transport und Verpflegung an Turnieren zu gewährleisten. Aber stimmt, es braucht nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Ich leiste viele Extrastunden, vor allem abends, wenn die Trainer – die tagsüber ja auch arbeiten – erreichbar sind und die Trainings stattfinden. Das mache ich aber gerne, es ist eine Herzensangelegenheit. Es tut gut, sich auch einmal mit einem Projekt zu beschäftigen, bei dem nicht die Punkte zählen, sondern die Freude, die wir den beeinträchtigten Sportlerinnen und Sportlern machen können. Ihre strahlenden Gesichter sind Lohn genug.
Gibt es Hürden beim Umsetzen solcher Projekte?
Die Trainersuche gestaltet sich natürlich auch hier nicht ganz einfach. Wir hatten aber Glück, durch Mund-zu-Mund-Propaganda sind wir schnell zu Trainern gekommen, die noch weitere Trainer angeworben haben. Mittlerweile schreiben wir diese Trainerjobs auch auf der Webseite aus. Momentan stehen vier Trainer für das Unified Team im Einsatz, ideal wären sechs, damit auch die Vertretung bei Krankheiten, Ferien oder anderen Absenzen gewährleistet ist.
Inwiefern profitiert GC von all diesen Inklusions-Angeboten?
GC profitiert zwar nicht finanziell, dafür aber als Marke: Gelebte Inklusion wirkt sich positiv auf das Image aus. Wenn die Unified-Mitglieder und ihre Angehörigen über GC sprechen, dann sprechen sie gut darüber. Wir treffen sie auch immer wieder an Heimspielen. GC ist im Vergleich zu anderen Vereinen sehr gut unterwegs und übernimmt auch Vorbildcharakter. Dass unser Engagement geschätzt wird, machen auch die vielen Rückmeldungen deutlich, die wir immer wieder erhalten.
Was erhoffst Du Dir hinsichtlich der Inklusion für die Zukunft?
GC arbeitet darauf hin, auch bei der Inklusion landesweit zu den Besten zu gehören. Dafür braucht es den Einsatz vonseiten des Vereins, der Sportlerinnen und Sportler, aber auch der Fans: Auch sie sollen für Inklusion stehen und die Olympischen Werte – Höchstleistung, Respekt und Freundschaft – mittragen. Die Olympische Bewegung will schliesslich Athletinnen und Athleten über alle Grenzen hinweg zusammenzuführen für eine friedlichere und bessere Welt. Genau das ist auch unser Ziel.
Pamela Schefer






