Was als spontane Entscheidung begann, entwickelte sich rasch zu mehr. «Ich war vom ersten Moment an begeistert», erzählt Samuel. Rugby wurde zu seiner grossen Leidenschaft und führte ihn Schritt für Schritt nach oben. Dank intensiven Trainings und grosser Willenskraft entwickelte er sich rasch vom Anfänger zum Stammspieler. Samuels Talent wurde schon bald erkannt, zunächst im Club und später auf nationaler Ebene bei einem Elite-Lehrgang in Magglingen. Bald wurde er eingeladen, in der Nationalmannschaft zu schnuppern, und überzeugte auch dort.
Mehr als nur ein Spiel
Was Rugby für ihn besonders macht, ist jedoch nicht nur das Spiel selbst, sondern die Kultur dahinter. Eine Kultur, die Gegensätze vereint. «Auf dem Spielfeld gibt es kein Erbarmen», erklärt er. Härte, Intensität und Emotionen gehören dazu. Doch mit dem Schlusspfiff ändert sich alles. «Danach lädt man den Gegner auf ein Bier ein. Wir lachen und essen zusammen. Alle sind Kollegen.» Diese besondere Mischung prägt auch das Nationalteam. Spieler, die sich sonst als Gegner gegenüberstehen, kämpfen plötzlich Seite an Seite für ein gemeinsames Ziel.
Ein unvergessliches Debüt
Sein erstes Länderspiel wird er dabei wohl nie vergessen. Es war ein Heimspiel, die Tribünen gefüllt, die Stimmung mitreissend. Doch was ihn am meisten berührte, war der Moment, als er das Spielfeld betrat und die Fans die Lieder sangen, die sonst auch er als Zuschauer mitsang. Er war so bewegt, dass er sich ein paar Tränen aus den Augen wischen musste. Und gleich nach dem Spiel folgte ein weiteres besonderes Erlebnis, als die Fans ihn um ein Autogramm baten: „Das ist fantastisch. Daran werde ich mich nie gewöhnen.“
Rugby auf höchstem Niveau
Sportlich spürt Samuel den Unterschied zwischen Club- und Nationalmannschaft deutlich. Das Spiel ist schneller, physischer und technischer. «In der Nationalmannschaft spielt man mit den besten und auch den grössten Spielern der Schweiz zusammen. Das ist beeindruckend.» Rugby, ohnehin ein vielseitiger Sport, erreicht hier ein neues Level an Intensität. Trotzdem bleibt seine Herangehensweise klar und pragmatisch. Druck und Erwartungen lässt er nicht an sich heran: «Ich gebe immer 100 Prozent. Mehr geht nicht. Wenn ich in einem Spiel 100% gegeben habe, bringt es nichts, über Fehler nachzudenken.»
Verletzungen gehören dabei unweigerlich dazu und betreffen im Rugby oft den ganzen Körper. Samuel weiss, wie wichtig es ist, mental stark zu bleiben und trotzdem voll in die Zweikämpfe zu gehen. Aktuell macht ihm eine Daumenverletzung zu schaffen. Selbst das Öffnen einer PET-Flasche ist schmerzhaft. Auf dem Spielfeld tritt jedoch alles in den Hintergrund. «Dort spüre ich meine Verletzungen kaum», erklärt Samuel. «Das Adrenalin hilft.» Es ist diese Mischung aus Leidenschaft, Härte und mentaler Stärke, die Samuel auszeichnet.
Ein Sport für alle
Am Ende des Gesprächs betont Samuel, dass sich der GC Rugby Club immer über neue Mitglieder freut. Egal welches Alter oder welche Grösse, beim GC Rugby ist jeder willkommen. Und wer weiss, vielleicht wird ein gelungenes Schnuppertraining beim GC Rugby genau zu jenem Zufall, der für eine neue Spielerin oder einen neuen Spieler den Beginn einer Rugbykarriere markiert.
Isabel Coret



