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LEGENDEN IM GESPRÄCH MIT SFV-PRÄSIDENT PETER KNÄBEL
Foto: GC INSIDER

LEGENDEN IM GESPRÄCH MIT SFV-PRÄSIDENT PETER KNÄBEL

Einmal im Monat treffen sich die «GC Legenden», pflegen ihre Freundschaft, diskutieren über Fussball und verfolgen gemeinsam, was sich bei GC bewegt. Ende Februar war SFV-Präsident Peter Knäbel zu Gast. Er sprach über Nachwuchsförderung, Frauenfussball und die knappe Infrastruktur.

Regelmässig kommen rund 30 Persönlichkeiten zusammen, die den Grasshopper Club über viele Jahre geprägt haben oder ihm eng verbunden sind. Zu diesen GC Legenden gehören beispielsweise Bigi Meier, Richi Bauer, Raymondo Ponte oder Sepp Blatter. Im Zentrum stehen die Freundschaft – und natürlich der Fussball. Dass diese Runde lebendig und aktiv bleibt, ist auch ein Verdienst von Adi Noventa und Peter Brunner. Mit viel Engagement und Initiative organisieren die Co-Präsidenten die Treffen und sorgen dafür, dass der Austausch regelmässig stattfindet und neue Impulse erhält.

Hochkarätiger Gast

Beim Treffen Ende Februar zeigte sich der Adlisberg von seiner frühlingshaften Seite. Der Apéro fand draussen in der Sonne statt, ehe sich die Runde drinnen an der langen Tafel des Restaurants zum Mittagessen versammelte. Die Gespräche drehten sich rasch um Fussball – um GC, den Schweizer Fussball, die ChampionsLeague-Auslosung des Tages und um frühere Zeiten. Im Mittelpunkt stand jedoch schon bald der Gast: Peter Knäbel, seit Sommer 2025 Präsident des Schweizerischen Fussballverbands.

Ein Präsident mit breitem Erfahrungsschatz

Als junger Fussballer wurde Knäbel mit der deutschen U16 Europameister und absolvierte später über 100 Spiele in der Bundesliga. Seine weitere Laufbahn führte ihn über Stationen im Schweizer und internationalen Fussball bis in leitende Funktionen bei grossen Clubs und schliesslich zurück zum SFV. Diese beeindruckende Karriere und die grosse Liebe zum Fussball seien kein Zufall, erklärte Peter Brunner bei der Vorstellung des Gastes – Knäbel sei schliesslich in Wurfdistanz zum Dortmunder Westfalenstadion aufgewachsen. Anschliessend stellte sich der SFV-Präsident den Fragen der Runde.

Drei Prioritäten für den Schweizer Fussball

Mit sichtbarer Freude beantwortete Knäbel die Fragen des Fachpublikums und erklärte, weshalb er in seiner Arbeit auf drei klare Prioritäten setze: Nachwuchsförderung, die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfussballs sowie mehr Fussballplätze.

Nachwuchs im Zentrum

Der Nachwuchs liege ihm besonders am Herzen. «Ich mache diesen Job für die nächste Generation», so Knäbel. Entscheidend für die Entwicklung junger Spieler sei vor allem eines: Einsatzzeit. Sie sei zentral für die sportliche Entwicklung. Der Wille, auf junge Spieler zu setzen, sei vielerorts vorhanden. Doch wenn der sportliche Druck steige, greife man häufig wieder auf erfahrene Spieler zurück. Deshalb brauche es Mut und Vertrauen. «Die Frage ist, was wir in unseren Jungen sehen und ob wir an sie glauben.»

Prägend war für Knäbel die eigene Erfahrung: «Das grossartige Erlebnis der U16-Europameisterschaft hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin», erklärte er. «Unsere Jungen sollen ebenfalls die Chance erhalten, sich international mit den Besten zu messen.»

Nationenwechsel als Realität

In diesem Zusammenhang brachten die GC Legenden das Thema der Nationenwechsel zur Sprache, das medial jeweils heiss diskutiert wird, wenn sich in der Schweiz ausgebildete Talente mit Doppelbürgerschaft für eine andere A-Nationalmannschaft entscheiden. Dies sei zwar ärgerlich, konstatierte auch Knäbel. Gleichzeitig sei diese Situation heute eine Realität des internationalen Fussballs, in dem der Konkurrenzkampf zwischen den Nationalverbänden stark zugenommen habe. Der Schweizer Verband setze deshalb auf frühe Begleitung und klare Perspektiven: Talente müssten spüren, dass man an sie glaube und ihnen einen konkreten Weg aufzeigen könne. Dabei spiele auch die Einsatzzeit eine entscheidende Rolle. Für viele junge Spieler sei weniger entscheidend, welche Nation regelmässig an Endrunden teilnehme, sondern wo sie realistische Perspektiven auf Einsätze hätten.

Frauenfussball als Wachstumsfeld

Ein weiteres wichtiges Thema ist für Knäbel die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfussballs. Die Europameisterschaft im vergangenen Sommer habe dem Frauenfussball in der Schweiz grosse Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit gebracht – nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich. «Das wollen wir ausnutzen», sagte er. Nun gehe es darum, diesen Schwung in nachhaltige Entwicklung zu übersetzen: mehr Mädchen für den Fussball zu gewinnen, Trainerinnen und Funktionärinnen zu fördern und die Strukturen im Frauenfussball weiter zu stärken. Für den Verband sei klar, dass der Frauenfussball langfristig ein zentrales Handlungsfeld bleibe.

Infrastruktur als Schlüssel

Damit sich der Fussball – sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen – weiterentwickeln könne, brauche es jedoch auch die passenden Rahmenbedingungen. Knäbel verwies darauf, dass die Zahl der Fussballspielenden in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei, während die Infrastruktur vielerorts kaum ausgebaut wurde und an ihre Grenzen stosse. «Wir brauchen dringend mehr und bessere Infrastruktur», erklärte er. Besonders im Breitenfussball fehle es vielerorts an Plätzen und Trainingsmöglichkeiten. Hier gehe es darum, gemeinsam mit Politik, Gemeinden und Vereinen Lösungen zu finden, damit auch künftig möglichst viele Kinder und Jugendliche Fussball spielen können.

Austausch unter Fussballkennern

Die Fragerunde verlief in einer offenen und kollegialen Atmosphäre. Die GC Legenden hörten aufmerksam zu, stellten Fragen und brachten ihre grosse Erfahrung ein. Es war ein Austausch unter Fussballkennern – interessiert und mit Blick über den eigenen Club hinaus.

Zum Abschluss dankte die Runde ihrem Gast mit herzlichem Applaus. Silvan Keller, Präsident der GC Fussballsektion, überreichte Peter Knäbel das grosse GC-Buch als Zeichen der Wertschätzung.

Für die GC Legenden war es einmal mehr ein Treffen, das genau das vereinte, was diese Runde ausmacht: Freundschaft, Fussball und der gemeinsame Blick auf die Entwicklung des Spiels.

 

Maurice Desiderato

  • Peter Knäbel (stehend) referiert im Kreise der GC Legenden über seine Ziele als SFV-Präsident. Foto: zVg
  • Peter Knäbel (2.v.l.) und GC Legende Raymondo Ponte (3.v.l.) umrahmt von den Co-Präsidenten Peter Brunner (links) und Adi Noventa (rechts). Foto: GC INSIDER
  • Bei herrlichem Frühlingswetter trafen sich die GC Legenden Ende Februar auf dem Adlisberg. Foto: GC INSIDER