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GC Fussball | 30.06.2020

INS MATCH REINGEBISSEN: BUFF BALLERT GC ZUM SIEG

Von zu Beginn ganz schwerfällig bis zum Schluss federleicht kickend – Die Grasshoppers gewinnen gegen den FC Wil 4:1 und zeigen dabei eindrücklich, wie sich ein Team selber aus misslicher Lage befreien und final belohnen kann. Matchwinner ist Doppeltorschütze Oliver Buff.

GC hat lange Zeit Mühe, in die Gänge zu kommen. Die Partie plätschert vor sich hin und ist bis zur 18. Spielminute komplett aktionsarm. Dann aber bricht Hoppers-Stürmer Zé Turbo auf der linken Strafraumseite durch und wird von Joel Schmied ungestüm von den Beinen geholt. Schiedsrichter David Huwiler zeigt ohne zu zögern auf den Penaltypunkt und eröffnet Nassim Ben Khalifa die Grosschance zur Führung. Der Zürcher Toptorschütze, in den letzten Matches Garant sondergleichen für Treffer, versemmelt die Gelegenheit leider kläglich. Sein halbhoher, nicht sonderlich platzierter Schuss ist ein gefundenes Fressen für Wil-Goalie Kostadinovic.

Im Sinne der Kräfteeinteilung entscheidet sich Cheftrainer Zoltan Kadar im Vergleich zum Spiel vor vier Tagen zu zwei Wechsel in der Startformation, beide betreffen die Verteidigung. Aleksandar Cvetkovic ersetzt in der Innenverteidigung Vero Salatic und Allan Arigoni nimmt den Platz von Andreas Wittwer auf der linken Aussenbahn ein. Die Veränderungen sind nicht die Erklärung für das verunglückte Abwehrverhalten nach knapp einer gespielten halben Stunde. Beim 0:1 sieht die GC-Defensive aber schlicht nicht gut aus und so bringt Julian Von Moos die Gäste in Front.

Zu diesem Zeitpunkt ist es mucksmäuschenstill im Letzigrund. Die 1'000 Zuschauer spüren, dass es zu keiner Galaveranstaltung kommen dürfte, wie sie die Grasshoppers vor vier Tagen beim Sieg über Tabellenführer Lausanne hinbekommen haben. Dieser Abend kann nur mit schwerer Rackerei erfolgreich beendet werden. Pure Büez führt in der 39. Minute dann auch zum Ausgleich. Die Grasshoppers setzen im Wiler Strafraum konsequent nach und zwingen die Ostschweizer zu hilflosen und unkontrollierten Befreiungsschlägen. Zé Turbo erobert den Ball, deckt ihn vor dem Gegenspieler exzellent ab und legt für den anbrausenden Oliver Buff auf. «Buffy» zirkelt das Leder kaltschnäuzig mit dem Innenrist in den rechten Winkel und kann mit dem 1:1-Ausgleischtreffer zugleich sein erstes Tor im GC-Trikot bejubeln.

Das Goal ist der wahrlich einzige Höhepunkt im Spiel der Grasshoppers während der gesamten ersten Spielhälfte. GC geht jeglicher spielerischer Glanz ab, die Passgenauigkeit lässt zu wünschen übrig, die letzte Laufbereitschaft fehlt und der Mut zu gradlinigen Aktionen nach vorne wird nicht gefunden. Das Trainer-Duo Kadar/Helm wählt in der Kabine deutliche und unverblümte Worte, zeigt der Mannschaft die auszumerzenden Schwachstellen auf, liefert ihr zugleich prägnant Lösungsvorschläge und schenkt ihr das totale Vertrauen und den Glauben, den Sieg einzuspielen.

Die Worte wirken. Auch der Beginn der zweiten Halbzeit ist zwar schleppend, aber die Mannschaft findet immer mehr den Tritt und bekommt Aufwind. Spätestens mit den Einwechslungen von Petar Pusic, Nikola Gjorgiev und Mychell Chagas schwappt die entscheidende Welle auf den Platz, die GC ins Land der gelobten drei Punkte brandet. Der bedrängte Aleksandar Cvetkovic spielt 20 Minuten vor Schluss einen brillanten und öffnenden Pass auf Petar Pusic und der wiederum leitet gleich weiter auf Marcin Dickenmann. Der Terrier sprintet der Seitenlinie entlang und schiebt auf den mitgelaufenen Oliver Buff zurück. Und Buffy? Oli versorgt den Ball unter dem Wiler Tordach! 2:1, GC! Es ist wahrhaftig der Abend des Oliver Buff. Kurz darauf wird der Doppeltorschütze unter grossem Applaus der Zuschauer ausgewechselt.

Die letzte Viertelstunde ist ein Genuss. Die Erlösung bei allen Grasshoppers ist bis zu deren Halszäpfchen spürbar. Jetzt fliegt jeder Einzelne. Die Leichtigkeit ist zurück, die Spielfreude da, die Pässe sitzen, die Zusatzmeter werden genüsslich abgespult und das Publikum feiert losgelöst. Gjorgiev und Chagas servieren zur Freude und zur Beruhigung und vor allem zur diskussionslosen Siegsicherung noch zwei Desserts. 3:1 und 4:1. 13 Tore hat der Grasshopper Club Zürich nun in den ersten vier Matches seit Wiederaufnahme der Meisterschaft erzielt und dabei nur drei Gegentreffer zugelassen. Stark.

Ehrlich, GC benötigt an diesem lauen Sommerabend lange, um in Schwung zu kommen. Eine beträchtliche Weile ist es ein müder Kick. Aber, die Grasshoppers bestehen die Reifeprüfung mit Bravour. Die Mannschaft bleibt in der Pause ruhig, besinnt sich ihrer Stärke und baut gemeinsam ein Selbstvertrauen auf, das in Dominanz übergeht und im Sieg mündet. Es ist eine Runde für GC. Der FC Vaduz kommt beim FC Schaffhausen nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus und Leader Lausanne lässt im Romands Derby gegen Ouchy Punkte liegen.

Hopp GC!