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PRÄSIDENT IM GESPRÄCH: TOBIAS FANKHAUSER ÜBER GUTE ERINNERUNGEN UND GROSSE VERÄNDERUNGEN
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PRÄSIDENT IM GESPRÄCH: TOBIAS FANKHAUSER ÜBER GUTE ERINNERUNGEN UND GROSSE VERÄNDERUNGEN

Voller Einsatz für den Sport und den Club – das geht nicht nur auf dem Spielfeld. Mit Weitsicht, Geschick und Engagement legen die Vorstände im Hintergrund den Grundstein für Sport auf höchstem Niveau. Deshalb kommen in der Serie «Präsident:in im Gespräch» die Präsidentinnen und Präsidenten der GC Sektionen zu Wort und sprechen über Ziele und Herausforderungen – in dieser Ausgabe Tobias Fankhauser, Präsident von GC Rudern.

GC INSIDER: Dich hat die Leidenschaft für das Rudern schon früh gepackt. Wie hat das damals begonnen?

Tobias Fankhauser: Ganz klassisch mit einen Schulsportkurs. Ich glaube, es war ein Kurs während der Sommerferien. Da habe ich schnell gemerkt, dass das Rudern genau das Richtige für mich ist. Zuerst war ich noch beim RIZ (Ruderverein Industrieschule Zürich), bevor mich GC dann abgeworben hat.

An welche Highlights Deiner sportlichen Karriere erinnerst Du Dich am liebsten?

1979 war ein besonders ereignisreiches Jahr. Damals haben wir sowohl im Vierer ohne als auch im Vierer mit den Schweizermeistertitel geholt. Noch im selben Jahr wurden wir für die Junioren-Weltmeisterschaft in Moskau selektioniert. Thomi Keller, der nicht nur GC Mitglied, sondern damals auch Präsident des Weltruderverbands (FISA) war, öffnete uns dort Tür und Tor: Nach den Rennen konnten wir als VIPs unter anderem in die Schweizer Botschaft, ins Lenin-Mausoleum und in den Grossen Moskauer Staatszirkus – und dabei sämtliche Warteschlangen umgehen. An der Regatta erreichten wir schliesslich den zweiten Rang im kleinen Final.

Nun bist Du bereits seit 13 Jahren Präsident der GC Sektion Rudern. Kannst Du Dich noch an Deinen Einstieg in das Amt erinnern?

Nach meiner aktiven Zeit war ich aufgrund von Auslandaufenthalten, beruflichen und familiären Verpflichtungen lange von der Bildfläche verschwunden. Als zwei meiner Kinder dann mit Leistungsrudern begannen und ich wieder regelmässig im GC Bootshaus auftauchte, wurde ich bei uns im Club wieder mit offenen Armen empfangen. Es war, als wäre ich nie weg gewesen. Das hat mich sehr berührt. Als ich dann angefragt wurde, das Präsidium zu übernehmen, war für mich klar, dass ich dem Club so etwas zurückgeben kann. Es war spannend, plötzlich so viel Verantwortung für den Club zu übernehmen. Dass zwei meiner Kinder und ich selbst Leistungssport betrieben haben, war dabei bestimmt von Vorteil. GC Rudern ist schliesslich ein Synonym für Leistungssport.

Was konntest Du als Präsident alles bewegen?

Da ich ein alter Gourmet bin und die Bootshausküche damals darnieder lag, haben wir den Weggang unserer damaligen Bootshauswartin und Köchin zum Anlass genommen, die Küche wieder auf Vordermann zu bringen. Wir haben damals eine fantastische Gastronomin gefunden. Heute ist die Küche weit über die Grenzen von GC bekannt.
Als ich ins Amt kam, gab es zudem bereits Pläne für eine Thermo-Sanierung des Bootshauses. Wir haben diese noch etwas weiterentwickelt, weil ich wollte, dass das Haus auch zukünftigen Ansprüchen dienen wird. So kam es nicht nur zu einer Sanierung, sondern auch zu einem Weiterausbau des Bootshauses. 2018 konnten wir so den 100. Geburtstag des Bootshauses in einem wunderschön renovierten Gebäude feiern. Der Weg dorthin war hart, aber auch hier hat sich gezeigt, wie teamfähig und leistungsbereit die GC Ruderer sind: Alle haben die Ärmel hochgekrempelt und mitangepackt. Ohne die Hilfe des Vorstands und der ganzen Sektion wäre vieles nicht möglich gewesen.

Du bist Rechtsanwalt. Damit passt Du hervorragend zu diesem Sport, denn es heisst, Rudern sei ein Sport für Akademiker. Woran liegt das?

Das Rudern kommt ursprünglich aus England, wo es von Beginn an vor allem an Unis betrieben wurde. Auch hier in der Schweiz hat es deshalb gerade in universitären Kreisen Fuss gefasst. So gibt es auch heute noch die UNI-POLY Regatta, bei welcher sich die Universität Zürich und die ETH Zürich gegenseitig herausfordern. Trotzdem ist es nicht so, dass bei GC und anderen Ruderclubs nur Akademiker rudern. Es gibt sehr viele Nicht-Akademiker, die rudern.

Vergangenes Jahr hat die GC Sektion Rudern nach fast 120 Jahren beschlossen, auch Frauen als Mitglieder aufzunehmen. Wie kam es dazu, dass die Sektion dieses Mal dafür gestimmt hat, während 1997 und 2003 noch eine Mehrheit dagegen war?

Früher war auch ich noch der Meinung, dass Jungs ihre Insel brauchen. Die Zeiten haben sich aber geändert. Frauen sind längst im Rudersport angekommen. Und GC Rudern schreibt sich ja die Jugendförderung und den Leistungssport auf die Fahne – da kann man die Frauen nicht mehr länger ausschliessen. Solche einschneidenden Veränderungen brauchen aber immer etwas Zeit. Zweimal wurde die Aufnahme von Frauen durch die Sektionsversammlung abgelehnt. Vor der erneuten Abstimmung im letzten Jahr haben wir deshalb mehrere Diskussionsforen organisiert. Dabei wurden alle Seiten und Argumente angehört. Es waren harte, aber sehr gepflegte Diskussionen in guter, konstruktiver Atmosphäre. Trotz einigem Widerstand haben sich noch im Laufe der besagten Sektionsversammlung diverse Mitglieder umstimmen lassen, weshalb die Frauen schliesslich mit einem klaren Ja willkommen geheissen wurden.

Nun trittst Du im März zurück. Was muss Dein Nachfolger mitbringen?

Er muss vor allem ein grosses GC Herz mitbringen, im GC verwurzelt sein und wenn möglich Leistungssporterfahrung mitbringen. Ich freue mich darauf, die GC Ruder Sektion in gutem Zustand in jüngere Hände übergeben zu können.  

Was ist für Dich typisch GC Rudern?

Beim Rudern muss man – mit Ausnahme vom Einer – extrem gut zusammenarbeiten. Man muss sich absolut aufeinander verlassen können, auch in harten Zeiten. Bei einer Regatta über 2000 Meter tut einem nach 1000 Metern bereits alles weh und man bewegt sich im anaeroben Bereich. Trotzdem beisst man die Zähne zusammen, zieht gemeinsam am Riemen und kämpft sich gemeinsam ins Ziel. Deshalb sind die Ruderer, die viel gemeinsam gelitten haben, vermutlich eine so verschworene Gemeinschaft. Hier entstehen Freundschaften fürs Leben. Etwas überspitzt gesagt, heisst es, bei GC Rudern kommt man als junger Sportler oder junge Sportlerin rein und geht erst im Sarg wieder raus.

 

Interview: Pamela Schefer

  • Tobias Fankhauser (2. v. l.) posierte 1979 mit drei weiteren GC Ruderern an der Junioren-WM in Moskau. Foto: zVg
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