GC INSIDER: Mats, 1986 bist Du als 18-Jähriger zu GC gekommen. Wie erinnerst Du Dich an diese Zeit?
Mats Scholz: Ich spielte damals bei den Young Fellows und lief als Junior bereits in der 2. Liga auf. Eines Tages rief mich GC Präsident Karl Oberholzer an und fragte, ob ich nicht für GC spielen wolle. Wenige Tage später standen wir zusammen auf der neuen Tribüne im Hardturm, und er sagte: «Da unten könnten Sie spielen.» Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung.
Plötzlich war ich als 18-Jähriger in einer Mannschaft mit Spielern wie Mats Gren, Marcel Koller, Alain Sutter und Ciriaco Sforza. Das war eine Lebensschule. Besonders beeindruckt hat mich Andy Egli. Er war Captain, hatte in der Bundesliga gespielt und war für mich der Musterprofi schlechthin: enorm diszipliniert, in jedem Training Vollgas. Von ihm konnte ich unglaublich viel lernen.
Ich selbst kam in der ersten Mannschaft nur zu wenigen Einsätzen und wechselte zwischen den Inter-A-Junioren (FIFA Youth Cup 1987 gewonnen), der U21 (Meister und Cupsieger) und dem Fanionteam. Trotzdem war es eine grossartige Zeit. Stell Dir vor: Nach dem Cupsieg 1988 mit dem «goldenen 6er-Tram» durch Zürich zu fahren – was für ein Gefühl!
Nur ein Jahr später, im März 1989, hast Du Deine Profikarriere beendet. Warum so früh?
Der Entscheid war spontan, aber trotzdem fundiert. Ich hatte mir mit GC einen Bubentraum erfüllt. Gleichzeitig hatte ich nie alles auf den Fussball gesetzt. Zwischen Morgen- und Nachmittagstraining ging ich regelmässig zu meinem früheren Arbeitgeber zurück und arbeitete in einem kleinen Pensum auf der Bank. Irgendwann merkte ich, dass ich meine Zukunft in der Wirtschaft sah.
Also lief ich mit einer Aufhebungsvereinbarung ins Büro von Erich Vogel – und damit war meine Profikarriere beendet. Bereut habe ich den Entscheid nie. Als ich 1994 die WM in den USA verfolgte und sah, wer für die Schweiz spielte, fragte ich mich natürlich schon kurz: Hätte ich das vielleicht auch schaffen können? Aber das sind Gedankenspiele.
Danach habe ich fast 25 Jahre lang überhaupt keinen Fussball mehr gespielt. Beruflich war ich stark eingebunden und viel auch international unterwegs. GC blieb ich aber als Mitglied immer verbunden.
Heute bist Du wieder mittendrin – als Seniorenspieler und lange auch im Frauenfussball. Wie kam es zu diesem Comeback bei GC?
Das entwickelte sich Schritt für Schritt. Angefangen hat es ganz klein: Ich sponserte einen blauen Tribünensitz auf dem neu gebauten GC/Campus. So kam ich mit Manuel Huber ins Gespräch und fragte ihn irgendwann, ob GC eigentlich auch eine Seniorenmannschaft habe. Seit mittlerweile zehn Jahren spiele ich nun wieder für GC.
Später wurde ich in den Sektionsvorstand gewählt. Damals war auch der Frauenfussball noch in der Sektion eingebettet und begann sich gerade zu professionalisieren. Das hat mich fasziniert. Deshalb engagierte ich mich zusätzlich beim White Label, der Sponsorenorganisation für den Frauenfussball.
In den vergangenen Jahren hat sich der Frauenfussball enorm entwickelt. Professionalisierung heisst eben nicht einfach mehr Geld. Es geht um Trainingsbedingungen, Infrastruktur, medizinische und physiotherapeutische Betreuung, Athletik, Ernährung oder mentale Unterstützung. Wir hatten in diesen sechs Jahren eine tolle Zeit – bis hin zum Cupfinal und zum Vizemeistertitel.
Und was reizt Dich heute noch daran, selbst für die GC-Senioren aufzulaufen?
Im Fussball kommt die ganze Gesellschaft zusammen: der Manager, der Bauarbeiter, der Künstler – völlig unterschiedliche Menschen. Und aus ihnen muss eine Mannschaft entstehen, die gemeinsam ein Spiel gewinnen kann. Das fasziniert mich bis heute.
Bei den Senioren kommt natürlich noch etwas anderes dazu: die dritte Halbzeit. Ein Bier nach dem Spiel, am besten gemeinsam mit dem Gegner, gehört dazu. Gerade waren wir beispielsweise zu einem Freundschaftsspiel in Kaufdorf zwischen Bern und Thun eingeladen. Wir wurden wunderbar empfangen, inklusive gemeinsamem Mittagessen. Genau solche Begegnungen machen den Seniorenfussball aus.
Schliesslich repräsentieren wir immer noch GC. Das spürt man. Für viele Gegner ist es etwas Besonderes, gegen uns zu spielen, und sie wollen uns unbedingt schlagen. Schliesslich bringen wir 140 Jahre Tradition mit.
Nach 40 Jahren GC: Was verbindet Dich heute mit dem Club?
Vor allem Dankbarkeit. Die Lebensschule bei den Profis möchte ich nicht missen. Sie hat mir enorm viel gegeben – weit über den Fussball hinaus. Deshalb möchte ich heute auch etwas zurückgeben.
Besonders wichtig ist mir die Ausbildung der Jungen. Letztes Jahr haben wir beispielsweise mit Jörg Stiel mehrere Zusammenzüge für die Goalies im Frauen- und Männerfussball organisiert – von der U14 bis zur U21, mit einem Mentaltrainer und in verschiedenen Sprachen. Junge Menschen müssen nicht nur fussballerisch, sondern auch mental auf den Spitzensport vorbereitet werden. Dazu gehört auch, ihnen etwas für den Fall mitzugeben, dass es mit der Profikarriere nicht klappt.
Dabei fasziniert mich bis heute dieselbe Frage wie auch im Job: Warum schafft es ein Team, unter vergleichbaren Bedingungen besser zu sein als ein anderes? Wie gelingt es, Leistung genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt? Dafür muss man Menschen entwickeln. Im Sport ist das nicht anders als in der Wirtschaft.
Und vielleicht ist genau das auch etwas, das ich mir für GC wünsche: dass die verschiedenen Bereiche noch enger zusammenarbeiten, voneinander lernen und ihre Kräfte bündeln. Denn am Ende geht es überall um dasselbe – Menschen zu entwickeln und gemeinsam besser zu werden.
Maurice Desiderato





