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SQUASH ALS RETTUNGSANKER
Foto: Colin Stevens

SQUASH ALS RETTUNGSANKER

Als Colin Stevens vor bald 30 Jahren zu GC Squash stiess, ahnte er noch nicht, welche Bedeutung der Verein für ihn einmal haben würde. Der Sport und die Menschen bei GC gaben ihm Halt, als er unter grossem psychischem Stress stand – und halfen ihm, Medikamente und eine Krankschreibung zu vermeiden.

«Squash saved my life», verrät Colin Stevens in seinem charmanten British English. Die Sportart begleitet ihn schon fast sein ganzes Leben. Nachdem er unter anderem Badminton, Fussball und Grasshockey ausprobiert hatte, nahm ihn ein Freund, den er vom Badminton kannte, mit zum Squash. «Ich glaube, das hat er schnell bereut, weil ich ihn oft besiegte», lacht Stevens. In den 1970ern wurde Squash im Vereinigten Königreich populär und auch Stevens, damals in seinen 20ern, war Feuer und Flamme.

Als Sales-Manager arbeitete er schon damals für ein Schweizer Unternehmen und reiste beruflich regelmässig nach Zürich. «Während einer solchen Geschäftsreise erzählte mir ein Kollege von seinem Sohn, der für GC spielte. Daraufhin begann ich, bei GC Squash zu spielen, wenn ich im Land war», erinnert sich Colin Stevens. Als er 1998 in die Schweiz versetzt wurde, begleitet von seiner Frau und seinen zwei Söhnen, schloss er sich GC Squash offiziell als Mitglied an – eine Entscheidung, die ihm bald helfen würde, den Kopf über Wasser zu halten. Er spielte Interclub und entdeckte auf den Reisen an Turniere die Schweiz.

Von der Leidenschaft zum Albtraum

Nicht nur die Schweiz entdeckte er – seine Geschäftsreisen führten ihn unter anderem nach China, Japan, Indien und in die Türkei. «Ich habe sehr viel, aber auch sehr gerne gearbeitet», so Stevens. Nach Umstrukturierungen und einem Wechsel im Management geriet Stevens jedoch in eine Negativspirale. «Vieles stimmte danach nicht mehr und löste bei mir grossen Stress aus», erinnert er sich. Der Stress führte zu Albträumen, Schweissausbrüchen, Schmerzen im Brustkorb und Zerstreutheit. «Ich dachte, ich hätte Alzheimer, manchmal konnte ich mich kaum mehr an den Inhalt einer Sitzung erinnern», verrät er. Also ging er zum Arzt, der ihm dringend riet, Stress zu reduzieren.  

«Medikamente nahm ich deswegen nie, auch eine Auszeit konnte ich mir nicht vorstellen», betont Colin Stevens. «Meine Medizin war der Squash.» Nach dem Sport fühlte er sich besser, konnte schlafen und wachte am Morgen erholt auf. Das liege einerseits am Sport selbst: Das Auspowern und das Adrenalin während des Spiels sorge nicht nur für körperliche Fitness, sondern auch für einen klaren Kopf. «Während beim Tennis vor allem die Fähigkeiten zählen, kommt es beim Squash eher auf Taktik und Kondition an», weiss Stevens. Squash erfordere Konzentration, Fokus und die Bereitschaft zu kämpfen. «Du kannst beim Squash nicht nur 50 Prozent geben.»

Soziales Sicherheitsnetz

Genau so wichtig sei aber, was nach dem Spiel folge: Bei ein, zwei Drinks spreche man mit seinen Freunden zuerst über das Spiel, später aber auch über andere, zum Teil sehr persönliche Dinge. Seine Freunde beim Squash seien sehr empathisch, hätten immer ein offenes Ohr und ihn in dieser schwierigen Zeit stark unterstützt. «Unterstützung erhielt ich natürlich auch von meiner Frau und meiner Kinder, aber ich wollte meine Familie nicht zu sehr mit meinen Problemen belasten», so Stevens.

Der Sport und seine Freunde bei GC haben ihm während sechs Jahren geholfen, die belastende Situation ohne Zusammenbruch zu meistern. 2020 trat er endlich einen neuen Job an, seine physischen und psychischen Beschwerden lösten sich schnell in Luft auf und er fand wieder Erfüllung in seiner Arbeit. Squash spielt er mittlerweile noch zweimal pro Woche, noch immer mit den Freunden, die ihn seit seinen Anfängen bei GC begleiten. «Jeder sollte einen Sport finden, der zu ihm passt», rät er anderen, die sich in schwierigen Situationen befinden. Squash eigne sich gut, man könne auch als Anfänger mithalten und ein Match passe auch in eine Mittagspause. Grundsätzlich komme es wahrscheinlich nicht in erster Linie auf die Sportart an. «Man kann auch beim Rennen oder beim Gewichtheben den Kopf freikriegen, allerdings fehlt hier die soziale Komponente», gibt Stevens zu bedenken.

Ein neuer Abschnitt

Momentan arbeitet Stevens an seiner Pensionierung. «Eigentlich wollte ich schon Anfang Jahr aufhören zu arbeiten, doch ich werde bei vielen Projekten noch gebraucht, bis sie abgeschlossen sind», so der Brite, der momentan geschäftlich oft zum Unternehmenssitz in Paris reist. Mittlerweile arbeitet er noch drei Tage pro Woche. «Ich arbeite gerne, aber langsam bin ich bereit für die Rente», gibt er zu. Auch bei diesem Übergang in eine neue Lebensphase werden ihm Squash und seine Freunde bei GC zur Seite stehen.

Pamela Schefer

  • Squash und seine Freunde bei GC halfen Colin Stevens durch eine schwierige Zeit. Foto: Colin Stevens
  • Squash erfordere Konzentration, Fokus und die Bereitschaft zu kämpfen. Das sorge für einen klaren Kopf, findet Stevens. Foto: Colin Stevens